DAX schließt nach Gewinnmitnahmen deutlich schwächer

Für den DAX ging es am Freitag nach Gewinnmitnahmen abwärts. Die weiter hohen Corona-Infektionszahlen und -Todesfälle verunsicherten Anleger. Der deutsche Leitindex gab deshalb 1,4 Prozent nach und schloss bei 13.787,73 Punkten.

Die politische Diskussion in Deutschland über eine zeitnahe Verschärfung von Restriktionen nimmt derweil Fahrt auf. Bund und Länder werden voraussichtlich bereits am Dienstag zusammenkommen und über eine weitere Verschärfung der Coronavirus-Restriktionen beraten. Ein kompletter Lockdown wird ebenfalls gefordert. Damit könnte die von vielen Marktteilnehmern erwartete wirtschaftliche Erholung erst später Realität werden. “Die Corona-Sorgen sind allgegenwärtig und geben wesentlich den Ton an”, schrieb Analyst Christian Schmidt von der Landesbank Helaba. Zwar könne sich der DAX auf hohem Niveau halten, die Kraft und neue Impulse, um die 14.000er Marke deutlich zu überspringen, fehlten derzeit aber.

Für zusätzliche Verunsicherung sorgte das Wiederaufflammen der Pandemie in China. Die Regierung in Peking verhängte Lockdowns über mehrere Städte. Dies könnte die Nachfrage beim weltgrößten Erdöl-Abnehmer dämpfen, warnten Börsianer. Der Preis für die Sorte Brent aus der Nordsee gab nach.

Zum Auftakt der US-Bilanzsaison zeigten sich Anleger wenig beeindruckt vom Zahlenwerk der US-Banken JPMorgan, Citigroup und Wells Fargo, deren Aktien zum Handelsauftakt allesamt nachgaben. Bei den deutschen Aktienwerten nahmen Anleger bei SAP Kursgewinne mit, nachdem das Softwarehaus ein Ergebnis über den Erwartungen vorgelegt hatte. Die am Vorabend veröffentlichten vorläufigen Quartalszahlen kamen gleichwohl bei Analysten gut an, vor allem die mit Software-Lizenzen erzielten Erträge.

Im DAX notierten zum Handelsschluss die meisten Werte schwächer. Mit einem leichten Plus führte die Aktie von Beiersdorf. Das dickste Minus stand vor der Aktie der Deutschen Bank.

Was am Freitag an der Börse außerdem wichtig war

JPMorgan überrascht mit Gewinnsprung Ende 2020 – Aktie legt zu
Der boomende Wertpapierhandel an den Finanzmärkten und gesunkene Kreditrisiken in der Corona-Krise haben der größten US-Bank JPMorgan Chase zum Jahresende einen überraschenden Gewinnsprung beschert. Unter dem Strich gab es im vierten Quartal einen Rekordgewinn von 12,1 Milliarden Dollar (10,0 Mrd Euro) und damit 42 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie der Finanzkonzern am Freitag mitteilte. Die gesamten Erträge wuchsen um drei Prozent auf 30,2 Milliarden Dollar.

US-Großbank Wells Fargo steigert Quartalsgewinn leicht
Trotz anhaltend hoher Belastungen durch niedrige Zinsen und die Corona-Krise hat die US-Großbank Wells Fargo im vierten Quartal etwas besser verdient. Der Gewinn stieg im Jahresvergleich um vier Prozent auf 3,0 Milliarden Dollar (2,5 Mrd Euro), wie das Geldhaus am Freitag in San Francisco mitteilte. Allerdings hatten Rechtskosten das Ergebnis im Vorjahr verhagelt. Die gesamten Erträge fielen um zehn Prozent auf 17,9 Milliarden Dollar.

US-Finanzriese Citigroup verdient deutlich weniger
Die US-Großbank Citigroup tut sich in der Corona-Krise weiter schwer und hat im vierten Quartal erhebliche Abstriche machen müssen. Der Nettogewinn sank gegenüber dem Vorjahreszeitraum um sieben Prozent auf 4,6 Milliarden Dollar (3,8 Mrd Euro), wie das Geldhaus am Freitag in New York mitteilte. Die gesamten Erträge gingen um zehn Prozent auf 16,5 Milliarden Dollar zurück. Bankchef Michael Corbat verwies auf “massive wirtschaftliche Folgen durch Covid-19”. Die schwächeren Zahlen seien zudem höheren Kosten und Steuern geschuldet. Im gesamten abgelaufenen Geschäftsjahr brach der Gewinn um 41 Prozent auf 11,4 Milliarden Dollar ein.

SAP stellt sich auf weiter schwere Zeiten ein – Aktie dreht ins Minus
Europas größter Softwarehersteller SAP stellt sich trotz eines halbwegs ordentlichen Schlussquartals im abgelaufenen Jahr auf weiter schwere Zeiten ein. Nach einem leichten Umsatzrückgang im Jahr 2020 rechnet der vom Börsenwert größte deutsche Dax-Konzern 2021 mit einem Rückgang beim um Sonder- und Währungseffekte bereinigten Betriebsergebnis – im Extremfall um bis zu 6 Prozent, mindestens aber um 1 Prozent. Eine entsprechende Prognose verkündete das Unternehmen aus dem Rhein-Neckar-Kreis in der Nacht auf Freitag auf Basis vorläufiger Zahlen. Zielsetzungen zur weiteren Umsatzentwicklung oder zum Nettoergebnis 2021 gab es keine.

Marktmanipulations-Prozess gegen Ex-VW-Chef Winterkorn eingestellt
Nach der Einstellung des Strafverfahrens gegen die aktuelle VW-Spitze wegen Marktmanipulation im Dieselskandal wird auch der entsprechende Prozess gegen Ex-Konzernchef Martin Winterkorn abgeblasen. Dies teilte das Landgericht Braunschweig am Freitag mit. Zu diesem Punkt wird es vorerst kein öffentliches Gerichtsverfahren geben – an dem ab Ende Februar geplanten Betrugsprozess gegen Winterkorn wegen erhöhter Diesel-Abgaswerte hält die Justiz jedoch fest.

General Electric verklagt Siemens Energy wegen Wettbewerbspraktiken
Der US-Industriekonzern General Electric hat den deutschen Rivalen Siemens Energy wegen unfairer Wettbewerbspraktiken verklagt. Die Amerikaner werfen dem Kontrahenten in dem Rechtsstreit vor, mit verbotenen Methoden mehrere lukrative Gasturbinen-Aufträge ergattert zu haben, um die beide Unternehmen konkurrierten. Laut der am Donnerstag bei einem Bundesbezirksgericht in Virginia eingereichten Klageschrift soll ein Siemens-Mitarbeiter vertrauliche Informationen von General Electric erlangt haben, die Siemens angeblich für seine Angebote nutzte. Dadurch habe der Rivale Milliarden-Aufträge an Land ziehen können.

SNP verfehlt Jahresziele – Aktie bricht ein
Der IT- und Software-Anbieter Schneider-Neureither & Partner SNP hat im abgelaufenen Jahr die eigenen Erwartungen verfehlt. Grund sei der Misserfolg bei einem erhofften Partnervertrag mit einem führenden internationalen IT-Dienstleister gewesen, der wider Erwarten nicht zustande gekommen sei. Zudem hätten sich Projekte vom vierten Quartal in das Auftaktquartal 2021 verschoben, teilte das Unternehmen am Freitag bei der Vorlage vorläufiger Zahlen für 2020 mit. An der Börse rutschten die Papiere auf die Nachricht deutlich ab und verloren zuletzt 14 Prozent.

USA setzen Xiaomi und weitere chinesische Firmen auf schwarze Liste
Wenige Tage vor dem Ende der Amtszeit von Präsident Donald Trump nimmt die US-Regierung weitere chinesische Unternehmen ins Visier. Unter anderem kam der Smartphone-Anbieter Xiaomi wegen angeblicher Verbindungen zum chinesischen Militär auf eine schwarze Liste des US-Verteidigungsministeriums. Die Xiaomi-Aktie sackte daraufhin an der Hongkonger Börse um mehr als zehn Prozent ab. Auch für Papiere von Zulieferern ging es abwärts.

Chipmangel: Ford-Werk Saarlouis setzt Produktion bis 19. Februar aus
Aufgrund von Lieferengpässen bei Halbleiterbauteilen und der gesunkenen Nachfrage während der Corona-Pandemie hält der Autobauer Ford die Produktion in seinem Werk in Saarlouis vom 18. Januar bis 19. Februar 2021 an. Betroffen sei die Produktion des Modells Focus, das der Standort im Saarland für alle europäischen Märkte produziere, teilte ein Sprecher des Unternehmens am Freitag mit. “Derzeit rechnen wir nicht mit weiteren vorübergehenden Produktionsstillständen in anderen europäischen Werken.” Der Mangel an Elektronik-Chips für Autos sorgt auch bei anderen Herstellern und Zulieferern in Deutschland für Probleme.

rtr/dpa-AFX/iw