DAX im Plus: Konjunktur-Optimismus lässt Anleger in Europa zugreifen

Die Aussicht auf massive Staatshilfen lässt die Anleger in Europa bei Aktien weiter zugreifen. Wenige Stunden vor der Vereidigung des künftigen US-Präsidenten Joe Biden stiegen Dax und Euro Stoxx 50 am Mittwoch jeweils 0,7 Prozent auf 13.906 beziehungsweise 3620 Zähler.

“Mit seinem Team wird Joe Biden alles daran setzen, das vorgestellte Hilfsprogramm schnellstmöglich in die Tat umzusetzen”, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. Der schnellste Effekt sei von den Schecks an die US-Bürger zu erwarten, die in den wichtigen Privatkonsum flössen.

Für Kauflaune sorgte die Anhörung der designierten US-Finanzministerin Janet Yellen im US-Kongress, wo sie für die geplanten zusätzlichen billionenschweren Konjunkturhilfen warb. Yellen pochte darauf, “groß zu handeln”, um die Wirtschaft zu retten und sich erst später um die Schulden zu kümmern. Die Aussichten ließen auch Rohöl-Anleger auf eine wieder anziehende Nachfrage setzen. Nordseeöl der Sorte Brent verteuerte sich um 0,8 Prozent auf 56,35 Dollar, US-Leichtöl WTI legte rund ein Prozent auf 53,49 Dollar zu.

Der Dollar rutschte nach Yellens Anhörung von einem Ein-Monats-Hoch ab. Im Gegenzug verteuerte sich der Euro auf 1,2145 Dollar. Unterstützung erhielt die Gemeinschaftswährung zudem durch die Abwendung von Neuwahlen in Italien. Der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte gewann am Dienstagabend die Vertrauensfrage im Senat. Auch wenn er die absolute Mehrheit verlor, ist damit der Zwang abgewendet, eine neue Regierung zu bilden. Die Nachfrage nach Anleihen des Landes zog weiter an und ließ die Rendite der zehnjährigen Titel auf 0,549 Prozent sinken.

Die Aussicht auf massive Konjunkturhilfen ließ die Pandemie-Sorgen etwas in den Hintergrund treten. Auch die Verschärfung und Verlängerung des Lockdowns in Deutschland vertrieb nicht die Risikofreude. Bund und Länder haben einen verlängerten Lockdown bis zum 14. Februar beschlossen. “An den Börsen müssen die Anleger jetzt hinterfragen, welche Auswirkungen das auf die Unternehmensgewinne und auf die Aktienkurse haben wird”, betonte Altmann. Die wirtschaftliche Erholung werde damit ein weiteres Stück nach hinten verschoben.

TECH- UND LUXUSWERTE GEFRAGT

Gefragt waren in Europa vor allem Technologiewerte. Der Branchenindex zog 1,5 Prozent an und erreichte den höchsten Stand seit rund zwei Jahrzehnten. Für Zuversicht sorgten die Umsatz- und Ergebniszahlen des Chipausrüsters ASML, die im Schlussquartal die Vorhersagen deutlich übertrafen. Die Aktien des niederländischen Konzerns kletterten um rund drei Prozent.

Auch bei Luxusaktien griffen Anleger zu. Für Zuversicht sorgte der Schweizer Konzern Richemont, der dank des starken Wachstums beim Onlinegeschäft sowie im asiatisch-pazifischen Raum und im Nahen Osten ein Umsatzplus im Weihnachstquartal erzielte. Richemont-Aktien legten in der Spitze 5,3 Prozent zu.

Burberry zogen rund fünf Prozent an, nachdem die britische Luxusmodemarke ebenfalls stark im asiatisch-pazifischen Raum zulegen konnte.

Hugo Boss stiegen nach der Aufstockung des Anteils durch Mike Ashleys Frasers Group rund sechs Prozent.

rtr