DAX im Minus – Corona-Sorgen trüben Stimmung an der Börse – SAP-Aktie gefragt

Die drohende Verschärfung der Coronavirus-Restriktionen schlägt Anlegern auf die Stimmung. Dax und EuroStoxx50 fielen am Freitag um jeweils 0,3 Prozent auf 13.940 beziehungsweise 3631 Punkte.

Bund und Länder werden voraussichtlich am Dienstag über eine weitere Verschärfung der Coronavirus-Restriktionen beraten. “Auch wenn die Börse derzeit noch durch diese Lockdowns hindurch weiter nach vorn schaut, ganz abkoppeln kann sich das Kursgeschehen davon nicht”, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets.

Kopfschmerzen bereitete Investoren außerdem das Wiederaufflammen der Pandemie in China. Die Regierung in Peking verhängte daher Lockdowns über mehrere Städte. Dies könnte die Nachfrage beim weltgrößten Erdöl-Abnehmer dämpfen, warnten Börsianer. Der Preis für die Sorte Brent aus der Nordsee fiel daraufhin um 1,6 Prozent auf 1885 Dollar je Barrel (159 Liter).

KEIN FRISCHER WIND DURCH BIDENS KONJUNKTURPAKET

Auch das geplante knapp zwei Billionen Dollar schwere Konjunkturpaket des künftigen US-Präsidenten Joe Biden hellte die Stimmung der Anleger nicht auf. Es habe in seiner jetzigen Form wenig Chancen auf Erfolg, sagte Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. Denn für Teile davon benötige Biden die Zustimmung republikanischer Senatoren, um die notwendige Mehrheit zu erreichen. Außerdem werfe es Fragen zu künftigen Steuern auf, sagte Tim Ghriskey, Chef-Anlagestratege des Vermögensverwalters Inverness Counsel. “Geld auszugeben ist einfach, aber wie soll das bezahlt werden?” Anleger ignorierten zwar oft die Politik, selten aber die Steuerpolitik.

Gleichzeitig schüre die geplante Ausweitung der Staatsverschuldung Inflationssorgen, sagte Commerzbank-Analystin Esther Reichelt. Schließlich habe US-Notenbankchef Jerome Powell einer baldigen Reduzierung der Wertpapierkäufe eine klare Absage erteilt. Das unter anderem als Inflationsschutz dienende Edelmetall Gold verteuerte sich daher um 0,5 Prozent auf 1856 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

SAP IM AUFWIND – JURISTISCHER ÄRGER FÜR SIEMENS ENERGY

Bei den deutschen Aktienwerten gehörte SAP mit einem Kursplus von 1,5 Prozent zu den Gewinnern. Das Quartalsergebnis des Softwarehauses liege über den Erwartungen, kommentierte Analyst Andrew DeGasperi von der Berenberg Bank. Dies dämpfe Befürchtungen, dass SAP im wichtigen Cloud-Geschäft größeren Problemen gegenüberstehe als die Konkurrenz.

In London stiegen die Titel von Aveva zeitweise um knapp sieben Prozent auf ein Dreieinhalb-Monats-Hoch von 3797 Pence. Der Anbieter von Industrie-Software steigerte seinen Umsatz überraschend stark um 26 Prozent. Auf dieser Basis werde das Unternehmen seine Ziele für das Geschäftsjahr 2020/2021 voraussichtlich erreichen, lobte Analyst Julian Yates vom Vermögensverwalter Investec.

Siemens Energy verbuchte dagegen den größten Kurssturz seit dem Börsengang im vergangenen September. Die Aktien rutschten um 6,5 Prozent ab. Der US-Konkurrent General Electric (GE) verklagt den Energietechnik-Konzern, weil sich dieser mit gestohlenen GE-Geschäftsgeheimnissen Vorteile bei Geboten für Aufträge verschafft haben soll.

rtr