DAX im Minus: Corona-Sorgen belasten Börsen – Firmenbilanzen stützen

Die Furcht vor einem Rückschlag für die wirtschaftliche Erholung durch die grassierende Coronavirus-Pandemie hat die europäischen Börsen wieder im Griff. Dax und EuroStoxx50 fielen am Freitag um jeweils etwa ein Prozent auf 13.778 beziehungsweise 3579 Punkte.

Die angelaufenen Massen-Impfungen und die Aussicht auf ein Ende der Virus-Krise hätten den Börsen in den vergangenen Monaten kräftige Kursgewinne beschert, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus Axi. “Jetzt muss aus der Hoffnung aber auch irgendwann Realität werden, um die Rally zu bestätigen.”

Auf die Stimmung schlug auch die Verschärfung der Reisebestimmungen in der EU. Dies brockte dem Index für die heimische Touristikbranche einen Kursverluste von knapp drei Prozent ein.

Ein weiterer Belastungsfaktor sei der anhaltend hohe Euro, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. Die Gemeinschaftswährung verteuerte sich auf 1,2189 Dollar und schmälerte damit die Wettbewerbschancen von Waren heimischer Firmen auf dem Weltmarkt.

ROHSTOFFPREISE FALLEN – BITCOIN UNTER 30.000 DOLLAR

Rohstoff-Anleger machten vor allem die wieder steigenden Corona-Infektionszahlen in China nervös, sagte Stephen Innes, Chef-Anlagestratege des Brokerhauses Axicorp. Es drohe eine geringere Nachfrage des weltgrößten Abnehmers. Daraufhin verbilligte sich die Ölsorte Brent aus der Nordsee um 1,6 Prozent auf 55,19 Dollar je Barrel (159 Liter). Der Preis für das wichtige Industriemetall Kupfer fiel um rund ein Prozent auf 7936 Dollar je Tonne.

Auch für Bitcoin ging es erneut bergab. Die älteste und wichtigste Cyber-Devise rutschte um bis zu acht Prozent auf 28.765 Dollar ab, nachdem sie vor wenigen Wochen noch ein Rekordhoch von knapp 42.000 Dollar erreicht hatte. “Die aktuelle Korrektur ist ein Segen für diejenigen, die die vorangegangene Rally verpasst haben”, sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. Die Hausse sei alles andere als vorüber. Ein Kurs von 80.000 Dollar sei durchaus drin.

SIEMENS UND PROSIEBEN ÜBERZEUGEN MIT ZAHLEN

Bei den Aktien von Siemens griffen Investoren dagegen zu. Die Papiere des Technologiekonzerns stiegen um bis zu sechs Prozent auf ein Rekordhoch von 131,34 Euro. Die vorgelegten Geschäftszahlen hätten die Markterwartungen durch die Bank übertroffen, lobte Analyst Philip Buller von der Berenberg Bank. Das sei umso bemerkenswerter, da Siemens in der Vergangenheit gelegentlich enttäuscht habe.

Die Titel von ProSiebenSat.1 gewannen gut fünf Prozent und waren mit 14,48 Euro so teuer wie zuletzt vor eineinhalb Jahren. Die TV-Senderkette habe mit ihrem Quartalsergebnis die Analystenprognosen und die eigenen Ziele deutlich übertroffen, kommentierte Analyst Daniel Kerven von der US-Bank JPMorgan.

GEWINNMITNAHMEN NACH STARKEN ZAHLEN

Auch Salzgitter habe mit seinen Geschäftszahlen und dem Ausblick für 2021 positiv überrascht, erklärte Analyst Alan Spence von der Investmentbank Jefferies. Die Aktien des Stahlkonzern konnten ihre Anfangsgewinne von bis zu 5,2 Prozent allerdings nicht halten und verloren 2,2 Prozent.

Auch bei Remy Cointreau nutzten Investoren ein Quartalsergebnis über den Markterwartungen für Gewinnmitnahmen. Ein Großteil der positiven Nachrichten sei aber bereits im Kurs enthalten, sagte ein Börsianer. Nach einer starken Eröffnung notierten Cointreau-Papiere am Vormittag knapp im Minus.

rtr