DAX weiterhin unter Druck: Corona-Sorgen und Zweifel an US-Hilfspaket belasten Börsen

Die immer weiter steigende Zahl von Corona-Infektionen setzt den europäischen Börsen zu. “Sollte sich diese Dynamik nicht zeitnah legen, steigt die Wahrscheinlichkeit erneuter größerflächiger Lockdowns, wodurch auch wirtschaftlich Rückschläge drohen”, warnte Carsten Mumm, Chef-Analyst der Privatbank Donner & Reuschel.

Ermutigende Firmenbilanzen stützten die Kurse von Dax und EuroStoxx50 allerdings. Die beiden Leitindizes notierten am Dienstagvormittag jeweils kaum verändert bei 12.843 und 3249 Punkten.

Allerdings schwanden die Hoffnungen, dass sich in den USA Demokraten und Republikaner im Tagesverlauf auf ein weiteres Konjunkturpaket einigen. Diese Frist hatte Nancy Pelosi, die Sprecherin des Repräsentantenhauses, gesetzt, damit die Hilfen noch vor der Präsidentschaftswahl in zwei Wochen verabschiedet werden könnten. “Für die Märkte müssten Weihnachten und Ostern schon zusammenfallen, dass in letzter Sekunde der große Wurf gelingt”, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research.

ANALYSTEN LEGEN LATTE FÜR BILANZSAISON NIEDRIG

Die laufende Bilanzsaison habe dagegen das Potenzial, den Aktienmärkten Rückenwind zu verleihen, sagte Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. Die Markterwartungen seien so gering, dass es vielen Firmen leicht fallen sollte, diese zu übertreffen.

Eine positive Überraschung lieferte unter anderem der Laborausrüster Sartorius, dessen Aktien zeitweise um gut sechs Prozent auf ein Rekordhoch von 396,60 Euro stiegen. Die Firma blickt nach einem Gewinnsprung dank kräftiger Nachfrage in der Corona-Pndemie optimistischer auf das Gesamtjahr. “Das ist die dritte Prognose-Anhebung in diesem Jahr und die Zahlen werden wohl weiter steigen”, schrieb Analyst Scott Bardo von der Berenberg Bank. Die mittelfristigen Geschäftsziele des Unternehmen erschienen zunehmend konservativ.

Gefragt waren auch die Titel von Reckitt Benckiser. Sie gehörten mit einem Kursplus von 2,6 Prozent zur Spitzengruppe im Londoner Auswahlindex FTSE. Das 13,3-prozentige Plus beim Quartalsumsatz auf umgerechnet 3,9 Milliarden Euro verdanke der Anbieter von “Sagrotan” und “Calgon” dem Wachstum bei Hygiene-Produkten, kommentierte Analyst Martin Deboo von der Investmentbank Jefferies.

JENOPTIK AUF TALFAHRT – PFUND STABIL

Enttäuscht reagierten Investoren dagegen auf die vorläufigen Zahlen von Jenoptik. Die gesenkten Umsatzziele des Technologiekonzerns seien ein Hinweis auf einen schwachen Auftragseingang, sagte ein Börsianer. Da sei die Aussicht auf eine operative Marge am oberen Ende der bislang angepeilten Spanne nur ein schwacher Trost. Jenoptik-Papiere brachen zeitweise um mehr als acht Prozent ein. Das ist der größte Kursrutsch seit dem Börsen-Crash vom März.

Am Devisenmarkt richteten Investoren ihre Aufmerksamkeit auf die Brexit-Verhandlungen. Zwar gebe es im Streit um die künftigen Beziehungen noch keine wirkliche Annäherung, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. “Aber immerhin reden sie miteinander und sowohl Großbritannien als auch die EU wollen einen Deal.” Das Pfund Sterling notierte kaum verändert bei 1,2944 Dollar und 1,0982 Euro.

rtr