DAX schließt am Dienstag schwächer

Die Furcht vor erneuten Lockdowns verschreckte am Dienstag die Anleger. So schloss der DAX 0,92 Prozent schwächer bei 12.736,95 Punkten.

Die zunehmende Zahl an Corona-Neuinfektionen verunsicherte Investoren. “Sollte sich diese Dynamik nicht zeitnah legen, steigt die Wahrscheinlichkeit erneuter größerflächiger Lockdowns, wodurch auch wirtschaftlich Rückschläge drohen”, so Carsten Mumm, Chef-Analyst der Privatbank Donner & Reuschel. Etwas Unterstützung boten derweil ermutigende Firmenbilanzen.

So habe die laufende Bilanzsaison das Potenzial, den Aktienmärkten Rückenwind zu verleihen, sagte Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. Die Markterwartungen seien so gering, dass es vielen Firmen leicht fallen sollte, diese zu übertreffen.

Gute Zahlen lieferte unter anderem der Laborausrüster Sartorius. Nach einem starken Wachstum in den ersten neun Monaten werden die Niedersachsen nun auch optimistischer für das Gesamtjahr. “Das ist die dritte Prognose-Anhebung in diesem Jahr und die Zahlen werden wohl weiter steigen”, schrieb Analyst Scott Bardo von der Berenberg Bank.

Am Devisenmarkt richteten Investoren ihre Aufmerksamkeit auf die Brexit-Verhandlungen. Wie die Gespräche ausgehen werden, ist immer noch in der Schwebe. Das Pfund Sterling bröckelte. Gleichzeitig trieb der Bedarf nach Absicherung gegen Kursausschläge die Preise für bestimmte Pfund-Terminkontrakte auf den höchsten Stand seit einem halben Jahr.

An der DAX-Spitze stand zum Handelsschluss MTU gefolgt von der Deutschen Bank und Beiersdorf. Als Schlusslicht ging Fresenius Medical Care aus dem Handel. Die Papiere des Dialysekonzerns gerieten unter Verkaufsdruck. JPMorgan-Analyst David Adlington sieht FMC operativ zwar auf gutem Weg seine Jahresziele zu erreichen. Eine Prognoseerhöhung hält er angesichts der Unwägbarkeiten im vierten Quartal aber für unwahrscheinlich.

Was am Dienstag an der Börse außerdem wichtig war

UBS-Chef Ermotti verabschiedet sich mit hohem Gewinn – Aktie legt zu
Gute Geschäfte im Wertpapierhandel und der Verkauf von Geschäftsteilen haben der schweizerischen Großbank UBS im dritten Quartal einen überraschend hohen Milliardengewinn beschert. Im letzten Quartal unter der Führung von UBS-Chef Sergio Ermotti stand unter dem Strich ein Überschuss von 2,1 Milliarden US-Dollar (1,8 Mrd Euro) und damit rund doppelt so viel wie ein Jahr zuvor, wie das Geldhaus am Dienstag in Zürich mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit deutlich weniger gerechnet.

Konsumgüterkonzern Procter & Gamble profitiert von Corona-Pandemie
Die Produkte des Konsumgüterherstellers Procter & Gamble sind in Zeiten der Corona-Pandemie weiter stark gefragt. Nach einem robusten Wachstum im ersten Quartal des am 30. September geendeten ersten Geschäftsquartals erhöhte der US-Konzern am Dienstag die Aussichten für das Gesamtjahr. Favoriten der Kunden waren weiter Wasch- und Reinigungsmittel sowie Hygieneprodukte.

Gabelstapler-Hersteller Kion wagt Prognose für 2020 – Aktie fällt
Der Gabelstapler-Hersteller Kion wagt nach den Turbulenzen durch die Corona-Krise wieder eine konkrete Prognose für das laufende Jahr. Doch das Geschäft mit Gabelstaplern und anderen Flurförderzeugen wie Hubwagen läuft schwach. Eine starke Nachfrage nach automatisierten Lager- und Sortiersystemen und anderer Technik für die Lieferkettenlogistik kann den Rückgang nicht ausgleichen, wie Kion überraschend am Dienstag in Frankfurt mitteilte.

Jenoptik senkt Umsatzprognose – Aktie sackt ab
Der Technologiekonzern Jenoptik hat seine Umsatzprognose für das laufende Jahr gekappt. So zeigten sich die Erlöse im dritten Quartal zwar im Vergleich zu den drei Monaten zuvor verbessert, lagen jedoch unter Vorjahresniveau, wie das Unternehmen am Montagabend in Jena mitteilte. Wegen der anhaltend schwachen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und eines “deutlich erhöhten Risikos weiterer einschneidender Maßnahmen” im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie geht das Management jedoch von niedrigeren Umsätzen aus als geplant. Der Aktienkurs geriet daraufhin am Dienstag stark unter Druck.

Pharmaausrüster Sartorius wird noch etwas optimistischer
Der Pharma- und Laborausrüster Sartorius profitiert in der Corona-Pandemie weiter von guten Geschäften vor allem mit der Biopharmaindustrie. Nach starkem Wachstum in den ersten neun Monaten werden die Niedersachsen nun auch noch etwas optimistischer für das Gesamtjahr. So dürfte der Umsatz am oberen Ende oder sogar leicht über der zuletzt anvisierten Spanne von 22 bis 26 Prozent Wachstum liegen, teilte der Konzern am Dienstag in Göttingen mit. Die um Sondereffekte bereinigte operative Marge des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen erwartet das Management nun bei rund 29,5 Prozent und damit einen Prozentpunkt höher als zuvor.

BMW mit überraschend guter Kassenlage – Aktie kaum bewegt
Der Autobauer BMW hat im abgelaufenen Quartal wie auch der Rivale Daimler eine überraschend gute Entwicklung der finanziellen Mittel verzeichnet. Zwischen Juli und Ende September habe der Konzern im Kerngeschäft mit dem Autobau einen Zufluss von 3,07 Milliarden Euro verzeichnet, teilte BMW überraschend am Montagabend in München mit. Damit übertreffe der Konzern nach vorläufigen Daten die aktuelle Markterwartung, hieß es.

Intel verkauft Flashspeicher-Sparte an südkoreanische SK Hynix
Der Chipriese Intel trennt sich von einer Flashspeicher-Tochter und kann sich so mehr auf sein Kerngeschäft konzentrieren. Der südkoreanische Chipkonzern SK Hynix zahlt insgesamt neun Milliarden US-Dollar (7,7 Mrd Euro) für die Nand-Memory-Sparte, wie beide Unternehmen in der Nacht zu Dienstag mitteilten. Der Geschäftsübergang und die Zahlungen erfolgen über mehrere Jahre bis 2025.

Verbindungstechnik-Spezialist Norma wagt neue Prognose – Corona belastet weiter
Nach einem durch die Folgen der Corona-Pandemie beeinträchtigten dritten Geschäftsquartal wagt der Verbindungstechnik-Spezialist Norma eine neue Prognose für das Gesamtjahr. Der Zulieferer erwartet für 2020 einen organischen Umsatzrückgang von rund 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie das SDax-Unternehmen am Dienstag im hessischen Maintal bei der Vorlage vorläufiger Quartalszahlen mitteilte. Die bereinigte Marge des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (Ebita) soll bei mehr als 5 Prozent liegen und damit ebenfalls deutlich unter Vorjahresniveau. 2019 hatte Norma eine bereinigte Ebita-Marge von 13,2 Prozent erwirtschaftet.

Versicherer Travelers verdoppelt Quartalsgewinn
Der US-Schadenversicherer Travelers hat seinen Gewinn im dritten Quartal nach einer Sonderbelastung ein Jahr zuvor mehr als verdoppelt. Unter dem Strich stand ein Überschuss von 827 Millionen US-Dollar (704 Mio Euro), wie das Unternehmen am Dienstag in New York mitteilte. Im dritten Quartal 2019 hatte Travelers seine Schadenreserven deutlich aufstocken müssen, um sich für gestiegene Ansprüche von Geschädigten etwa in der Haftpflichtversicherung zu rüsten. Dies hatte den Quartalsgewinn erheblich nach unten gezogen.

Permira macht bei Teamviewer weiter Kasse
Der Softwarenabieter Teamviewer wird für den Finanzinvestor Permira zu einem immer besseren Geschäft. Etwas mehr als ein Jahr nach dem Börsengang und zwei Platzierungen im März und Mai verkaufte Permira in der Nacht zum Dienstag weitere Anteile und nahm damit fast eine Milliarde Euro ein. Damit summieren sich die Erlöse aus Aktienverkäufen durch den Börsengang und danach auf etwas mehr als 4,8 Milliarden Euro. Zudem ist das 28-prozentige Aktienpaket, das Permira noch hält, derzeit rund 2,4 Milliarden Euro wert. Permira hatte Teamviewer erst 2014 für rund 870 Millionen Euro gekauft und dann im Herbst 2019 an die Börse gebracht.

Büromöbelhändler Takkt konkretisiert Jahresprognose
Der Büromöbelhändler Takkt traut sich nach einem etwas stabileren dritten Quartal wieder eine konkretere Jahresprognose zu. Der Umsatz dürfte von 1,2 Milliarden Euro im Vorjahr auf rund 1,05 Milliarden Euro zurückgehen, teilte der SDax-Konzern am Dienstag in Stuttgart mit. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen erwartet das Management zwischen 85 und 95 Millionen Euro nach rund 150 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Um Sonder- und Einmaleffekte bereinigt geht Takkt von rund 95 bis 105 Millionen Euro operativem Ergebnis und einer Marge von knapp 10 Prozent aus. Bisher hatte Takkt wegen der Corona-Pandemie lediglich einen bedeutenden Rückgang von Umsatz und Ergebnis in Aussicht gestellt. Die Aktie fiel nach der Ankündigung um knapp 2 Prozent.

rtr/dpa-AFX/iw