DAX im Minus: Europas Anleger auf der Hut – Corona-Welle und US-Wahlen im Blick

Rekordwerte bei den Corona-Neuinfektionen und ein erneuter wirtschaftlicher Stillstand in Deutschland zehren an den Nerven der Anleger in Europa. Die Aussicht auf geldpolitische Hilfen der EZB und ein überraschend starkes Wachstum der deutschen Wirtschaft im Sommer bewahrte die Börsen am Freitag allerdings vor einem neuen Absturz.

Der Dax fiel zeitweise um 1,3 Prozent, grenzte seine Verluste am Vormittag aber bei einem Stand von 11.588 Punkten größtenteils wieder ein. Der EuroStoxx50 trat bei 2959 Zählern auf der Stelle. Auf Wochensicht steuerten die Börsen dennoch auf den größten Verlust seit März hin. In Asien flüchteten die Anleger vor dem Wochenende aus Aktien.

“Wir haben an den Börsen gerade einen extrem starken Unsicherheits-Cocktail, gemixt aus den Zutaten Covid-19-Pandemie, US-Präsidentschaftswahl und Brexit”, fasste Stratege Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners zusammen. “Und diese Unsicherheit ist Gift für die Börse.” Die neuen Corona-Beschränkungen in Deutschland werden nach Ansicht der Commerzbank-Volkswirte in der Wirtschaft Bremsspuren hinterlassen. Im Kampf gegen die Infektionswelle wird im November das öffentliche Leben in der Bundesrepublik massiv eingeschränkt. Das Coronavirus breitet sich in Deutschland in Rekordtempo aus. Das Robert-Koch-Institut meldete am Freitag erstmals mehr als 18.000 Neuinfektionen an einem Tag.

BIP BESSER ALS ERWARTET – EZB WOHL ZU MEHR HILFEN BEREIT

Darüber konnte ein Rekordwachstum der deutschen Wirtschaft im Sommerquartal nicht komplett hinwegtrösten, obschon die Börsen sich daraufhin von ihren Tagestiefs lösen konnten. Das Bruttoinlandsprodukt stieg zwischen Juli und September um 8,2 Prozent zum Vorquartal und damit stärker als von Ökonomen erwartet.

Die EZB scheint indes für erneute Stützungsschritte für die von der zweiten Pandemie-Welle getroffene Konjunktur im Euro-Raum bereitzustehen. Auf der Zinssitzung am Donnerstag sei bereits über weitere Anleihenkäufe und die mehrjährigen Liquiditätsspritzen für Banken – TLTRO genannt – gesprochen worden, sagten Insider. Der Euro notierte am Freitag mit 1,1680 Dollar nahe seines zuvor markierten Vier-Wochen-Tiefs.

ENTTÄUSCHUNG ÜBER IPHONE-ZAHLEN LASTET AUF APPLE & CO

Auf Erholungskurs gingen vor allem Aktien aus dem Öl- und Gassektor. Am Ölmarkt kehrte nach dem jüngsten Ausverkauf etas Ruhe ein: Die Nordseesorte Brent verteuerte sich um 0,6 Prozent auf 37,89 Dollar je Fass. Auch Finanzwerte landeten bevorzugt in den Depots.

Im Luftfahrtsektor sackten Aktien von Air France-KLM um bis zu sechs Prozent auf ein Rekordtief von 2,61 Euro ab. Die französisch-niederländische Fluggesellschaft warnte nach einem Milliardenverlust im Sommerquartal vor noch schwierigeren Zeiten. Die um sich greifenden Lockdowns im Kampf gegen die Corona-Pandemie würden die Passagierzahlen noch stärker einbrechen und das Kapitalpolster schneller schmelzen lassen.

Die Enttäuschung über rückläufige iPhone-Verkäufe von Apple zog Aktien europäischer Zulieferer herunter. Der Branchenindex verlor rund ein Prozent. Aktien von Dialog Semiconductor, Infineon, STMicro, AMS und ASM International fielen um bis zu drei Prozent. Die Erlöse mit iPhones schrumpften bei Apple um mehr als ein Fünftel auf 26,4 Milliarden Dollar. Die Aktien des US-Tech-Giganten gaben nachbörslich vier Prozent nach.

rtr