DAX trittt auf der Stelle: Konjunktursorgen lasten schwer auf Europas Börsen

Die Furcht vor einer schleppenden Erholung der Wirtschaft von den Folgen der Corona-Einschränkungen verdirbt den europäischen Anlegern die Lust auf Aktien. Dazu kommen die steigenden Infektionszahlen, die in einigen europäischen Regionen neue Ausgangsbeschränkungen erforderlich machten. Der Dax gab am Donnerstag 0,5 Prozent nach auf 12.584 Zähler, der EuroStoxx50 notierte 0,7 Prozent schwächer bei 3157 Punkten und liegt so niedrig wie seit einem Vierteljahr nicht mehr.

“Die Covid-19-Pandemie ist endgültig zurück an den Börsen”, sagte Thomas Altmann, Portfoliomanager bei der Vermögensverwaltung QC Partners. “Solange die Fallzahlen so schnell steigen wie aktuell, kann wirtschaftlich keine Entwarnung gegeben werden. Solange wir bei der Pandemie nicht über den Berg sind, sind wir es wirtschaftlich auch nicht.”

Vertreter der US-Notenbank Fed hatten zuletzt wegen der Wirtschaftskrise weitere staatliche Konjunkturhilfen gefordert. Anleger gäben aber so langsam die Hoffnung auf, dass es noch vor der US-Präsidentschaftswahl Anfang November zu einer Verabschiedung eines größeren Konjunkturpakets komme, sagte Milan Cutkovic, Marktanalyst beim Brokerhaus AxiTrader. In Deutschland bessert sich allerdings die Stimmung der Unternehmen, der Ifo-Index stieg im September den fünften Monat in Folge. “Was nach dem Lockdown im Frühjahr aufgeholt werden konnte, wurde aufgeholt”, sagte LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert. “Dort, wo es schwieriger ist, wird es auch noch eine ganze Weile so bleiben, vor allem im Dienstleistungssektor.”

Viele Anleger brachten ihr Geld weiterhin in Sicherheit, der Dollar blieb auch nach dem kräftigen Anstieg der vergangenen Tage gefragt. Ein Euro kostete im Gegenzug mit 1,1643 Dollar so wenig wie seit zwei Monaten nicht mehr. “Optimismus bei der Wirtschaftserholung, Optimismus beim Virus und Wetten auf Konjunkturstützen hatten die Märkte zuletzt gestützt, und bei allen drei Themen kam es zuletzt zu Enttäuschungen”, sagte John Velis, Devisenstratege bei BNY Mellon.

Der wiedererstarkte Dollar ließ auch die Rohstoffmärkte nicht ungeschoren: Gold verbilligte sich um 0,8 Prozent auf 1849,48 Dollar je Feinunze, Kupfer kostete mit 6518 Dollar je Tonne 1,3 Prozent weniger. Auch Staatsanleihen verteuerten sich, vor allem die mit längeren Laufzeiten. Entsprechend sank die Rendite der 30-jährigen deutschen Papiere auf minus 0,083 Prozent und damit den niedrigsten Stand seit dreieinhalb Wochen.

REISEWERTE UNTER DRUCK

Das Coronavirus breitet sich inzwischen in vielen europäischen Ländern so stark aus wie seit dem Frühjahr nicht mehr. Die Bundesregierung hat deswegen Reisewarnungen für eine Reihe europäischer Regionen verhängt. Reisewerte gehörten daher zu den größten Verlierern am europäischen Markt; die Aktien von Lufthansa, Easyjet oder der British-Airways-Mutter IAG gaben zwischen 1,6 und 3,7 Prozent nach.

Auch Tech-Werte gehörten zu den Verlierern, der entsprechende Index notierte 1,4 Prozent schwächer. Sie folgten den schwachen Vorgaben aus den USA ins Minus. “Wir hatten eine Menge Gewinnmitnahmen”, sagte Will James, Vizechef für europäische Aktien bei Aberdeen Standard Investments. Die SAP-Aktien verloren 0,9 Prozent, die Papiere von Infineon 1,1 Prozent und die Titel von Teamviewer 2,7 Prozent.

rtr