DAX schließt höher – und was Anleger sonst noch wissen müssen

Der DAX hat sich am Dienstag von seiner stärkeren Seite gezeigt. Der Leitindex schloss 0,2 Prozent im Plus bei 13.217,67 Punkten.

Der DAX hat am Dienstag leicht zugelegt. Für Unterstützung sorgte der überraschende Anstieg des ZEW-Index, der die Stimmung der deutschen Finanzexperten zeigt. Der Indikator des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) kletterte im September auf 77,4 Punkte, der höchste Stand seit 20 Jahren. Analysten hatten einen Rückgang erwartet. “Die Konjunkturerwartungen sind überraschend gestiegen und liegen nun auf dem höchsten Niveau seit dem Jahr 2000”, sagte Volkswirt Ulrich Wortberg von der Landesbank Helaba.

Auf Unternehmensseite stand der Leasingkonzern Grenke im Fokus. Der Börsendienst “Viceroy” erhob Bilanzbetrugsvorwürfe gegen den MDAX-Konzern. Die Aktie brach daraufhin um über 20 Prozent ein. Viceroy Research ist nach eigener Aussage in den Aktien “short” positioniert und kann mithin von fallenden Kursen profitieren. Mehr zur Short-Attacke auf Grenke lesen Sie hier.

Am Tag vor dem Zinsentscheid der US-Notenbank Fed deckten sich die Anleger an der Wall Street mit US-Aktien ein. Die Leitindizes Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 stiegen zur Eröffnung am Dienstag um jeweils etwa ein Prozent. Investoren rechneten damit, dass die Fed den Leitzins auf absehbare Zeit auf dem aktuellen, historisch niedrigen Niveau festzurren werde, sagte Sam Stovall, Chef-Anlagestratege des Research-Hauses CFRA. Dies mache Aktien im Vergleich zu anderen Anlageklassen attraktiv.

Wenige Stunden vor der Show zur Präsentation neuer Produkte rückte Apple ins Rampenlicht. Der Elektronik-Konzern werde zwar nicht die neue iPhone-Generation vorstellen, wohl aber Verbesserungen für das iPad und die Apple Watch, prognostizierte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. Apple-Aktien stiegen um drei Prozent.

Was am Dienstag an der Börse sonst noch wichtig war

Modekette H&M erzielt schon im Sommer wieder operativen Gewinn
Der schwedische Modehändler Hennes & Mauritz (H&M) rechnet bereits für das abgelaufene dritte Geschäftsquartal (bis Ende August) wieder mit schwarzen Zahlen im operativen Geschäft. Nach vorläufigen Ergebnissen kommt der Konzern auf einen Vorsteuergewinn von rund 2 Milliarden Schwedischen Kronen (192 Mio Euro), wie er am Dienstag in Stockholm mitteilte. Im zweiten Quartal hatte die Pandemie H&M in die roten Zahlen getrieben, phasenweise musste der Großteil der Läden geschlossen bleiben.

Milliarden-Vergleich: Daimler legt Diesel-Verfahren in USA bei
Mit einer Zahlung von umgerechnet mehr als 1,9 Milliarden Euro will Daimler in den USA den Streit mit Behörden und Kunden um angebliche Verstöße gegen Abgasregeln abräumen. Der Autobauer legt mit zwei Vergleichen Ermittlungsverfahren der US-Behörden und zudem zahlreiche Klagen von Autobesitzern bei, wie das Justizministerium und der Konzern selbst am Montag mitteilten. Daimler und seiner Tochter Mercedes-Benz USA wurden überhöhte Abgaswerte bei rund 250 000 Dieselwagen vorgeworfen.

Continental will weiteres Werk schließen – 1800 Jobs betroffen
Continental will wegen der Absatzkrise und des Strukturwandels in der Autoindustrie noch mehr Standorte schließen als bisher bekannt. In Aachen soll bis Ende 2021 das Reifenwerk dichtgemacht werden, bestätigte das Dax-Unternehmen am Dienstag nach entsprechenden Informationen aus der Gewerkschaft IG BCE. Betroffen wären 1800 Stellen. Endgültig beschlossen sei dies aber noch nicht.

Biontech erhält vom Bund 375 Millionen für Corona-Impfstoff
Das Mainzer Unternehmen Biontech erhält vom Bund 375 Millionen Euro zur Entwicklung eines Corona-Impfstoffs. Dies teilte Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) am Dienstag in Berlin mit. Seit Anfangs September ist bereits bekannt, dass das Tübinger Biotechunternehmen Curevac 252 Millionen Euro bekommt. Mit beiden Unternehmen seien die Verhandlungen über die Förderung nun abgeschlossen, sagte Karliczek.

Fraport erwartet trotz Corona-Krise operativen Gewinn im Ausland
Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport schöpft nach dem Verkehrseinbruch in der Corona-Krise zumindest in seinem Auslandsgeschäft etwas Hoffnung. “Für das Gesamtjahr 2020 erwarten wir für das internationale Geschäft trotz Corona ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von annähernd 100 Millionen Euro”, sagte Finanzvorstand Matthias Zieschang dem “Handelsblatt” (Dienstag). Das wäre zwar deutlich weniger als die rund 449 Millionen Euro aus dem Vorjahr, allerdings fast dreimal so viel wie im ersten Halbjahr 2020.

Bezahldienst Klarna holt sich 650 Millionen Dollar bei Investoren
Der Bezahldienst Klarna hat 650 Millionen Dollar bei Investoren für das künftige Wachstum eingesammelt. Die Firma aus Stockholm wurde dabei mit zehn Milliarden Dollar bewertet – und ist damit das wertvollste europäische Fintech-Start-up. Mit dem Geld solle unter anderem das Wachstum im US-Markt beschleunigt werden, wie Klarna am Dienstag mitteilte. Außerdem sollen das Produktangebot ausgebaut und neue Märkte erschlossen werden. Angeführt wurde die Finanzierungsrunde von der US-Finanzfirma Silver Lake. Klarna startete mit der Idee einer reibungsloseren Zahlungsabwicklung im Online-Handel und baute das Angebot schrittweise aus. Im ersten Halbjahr 2020 stieg der Umsatz um 36 Prozent auf 466 Millionen Dollar.

rtr/dpa-AFX/fh