DAX kommt kaum vom Fleck – Anleger strecken nach Konjunkturdaten vorsichtig die Fühler aus

Angesichts aufgehellter Konjunkturaussichten trotz steigender Coronavirus-Infektionszahlen wagen sich die Anleger an Europas Börsen in Trippelschritten aus der Deckung. Der Dax stieg am Dienstag 0,3 Prozent auf 13.226 Punkte.

Der EuroStoxx50 legte 0,4 Prozent auf 3331 Zähler zu. Kaufimpulse gab, dass das ZEW-Barometer, das die Erwartungen von Börsianern für die deutsche Konjunktur darstellt, auf den höchsten Wert seit 2000 gestiegen ist.

“Insgesamt wird eine kräftige Erholung der Wirtschaft im dritten Quartal angezeigt”, sagte Helaba-Ökonom Ulrich Wortberg. Weder die Brexit-Sorgen noch die vermehrten Corona-Neuinfektionen hätten den Ausblick getrübt. Eine raschere Erholung von den Pandemie-Folgen als erwartet sorgte auch beim zweitgrößten Modekonzern der Welt für Rückenwind. Nach dem Geschäftseinbruch im Frühjahr infolge der Pandemie-Einschränkungen schaffte H&M im dritten Geschäftsquartal die Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Die Aktien des schwedischen Modekonzerns schossen um bis zu 13,7 Prozent nach oben und sorgten für einen Lichtblick in der Branche. Der Einzelhandelsindex zog 1,8 Prozent an.

WARTEN AUF US-NOTENBANK

Ermutigende Konjunkturdaten aus China deuteten zugleich daraufhin, dass sich auch die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt weiter von der Corona-Krise erholt – trotz der Spannungen mit den USA sowie der weiterhin mauen globalen Nachfrageaussichten. Allerdings wollten sich Anleger vor dem Zinsentscheid der US-Notenbank am Mittwoch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Seit dem jüngsten Strategieschwenk berät die Fed erstmals wieder über den weiteren Kurs. Investoren warten daher gespannt darauf, was die Neuausrichtung der Federal Reserve konkret bedeutet. Der jüngst vorgestellte Schwenk bietet mehr Spielraum beim Ansteuern des Inflationsziels.

“Für mehr fehlen derzeit die Impulse, vor der Sitzung der US-Notenbank ist weiter Zurückhaltung angesagt”, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. Bei den Börsianern überwiege aber die Hoffnung, dass die Fed die Aktien-Rally vor allem an der Wall Street stützen werde und auch die europäischen Börsen davon profitieren. Die bestehende Unsicherheit vor der Fed-Sitzung ließ den Goldpreis auf den höchten Stand seit rund zwei Wochen steigen. Die “Antikrisen-Währung” notierte mit 1963,88 Dollar je Feinunze rund 0,4 Prozent höher, nachdem sie zuvor bis auf 1967,46 Dollar geklettert war.

Für Aufsehen auf dem Börsenparkett sorgten die geänderten Fusionsbedingungen der Autokonzerne PSA und Fiat Chrysler. Um inmitten der Coronavirus-Pandemie die liquiden Mittel zusammenzuhalten, senkt Fiat Chrysler seinen Bar-Anteil bei einer Sonderdividende, die Aktionäre im Rahmen des Zusammenschlusses erhalten sollen, auf 2,9 Milliarden Euro von 5,5 Milliarden Euro. Roberto Lottici, Fondsmanager bei der Banca Ifigest in Mailand, nannte die geänderten Modalitäten einen “mutigen und realistischen Schritt des Managements”. Die Papiere des italienisch-amerikanischen Autoherstellers schossen bis zu 8,6 Prozent nach oben. Die Opel-Mutter PSA machte im Handelsverlauf Kursverluste von bis zu drei Prozent wieder wett.

Im Zuge der bekanntgegebenen Änderungen brachen die Aktien des Zulieferers Faurecia bis zu 10,7 Prozent ein. PSA wird den neuen Vereinbarungen zur Fusion mit Fiat Chrysler zufolge, auch seine Pläne verschieben, den 46-Prozent-Anteil an dem französischen Autozulieferer auszugliedern. PSA und Fiat Chrysler bestätigten zudem, den Zusammenschluss zum weltweit viertgrößten Autokonzern bis Ende des ersten Quartals 2021 abschließen zu wollen.

rtr