DAX im Minus: Europas Anleger zittern vor dem Coronavirus – Commerzbank-Aktie im Plus

Der sprunghafte Anstieg der Neuinfektionen und der Zahl der Toten in China verunsicherten die Investoren. “Die Sorgen sind auf einmal wieder da, dass das Problem in Wahrheit viel größer ist als es uns bislang aus China präsentiert werden sollte”, sagte Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst beim Brokerhaus CMC Markets. “Am Markt wird bereits eine hohe Wahrscheinlichkeit für Zinssenkungen durch die Fed als Folge zu tiefer Inflation und zur Abwehr von Wachstumsproblemen durch das Coronavirus eingepreist.”

Die EU-Kommission hielt zwar an ihrer Wachstumsprognose fest. Der Ausbruch der Lungenkrankheit gebe aber Anlass zu wachsender Besorgnis, erklärte sie. Je länger die Epidemie dauere, desto größer sei die Wahrscheinlichkeit von Auswirkungen auf die wirtschaftliche Stimmung und die globalen Finanzierungsbedingungen. Der Euro verbilligte sich um 0,1 Prozent auf 1,0880 Dollar.

Anleger brachten ihr Geld in Sicherheit. Das trieb den Schweizer Franken nach oben. Ein Euro kostete im Gegenzug mit 1,0622 Franken so wenig wie seit August 2015 nicht mehr. Gold verteuerte sich um 0,7 Prozent auf 1576,81 Dollar. Hareesh V., Chef-Rohstoffanalyst bei dem indischen Finanzdienstleister Geojit, verwies darauf, dass schon jetzt Container-Lieferungen nach China wegen der Epidemie verschoben worden seien. “Die Möglichkeit, dass sich das Wachstum abkühlen könnte, lässt die Investoren zu Gold als sicheren Hafen greifen.”

Auch Anleihen waren gefragt. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen sank im Gegenzug auf minus 0,414 Prozent und damit den niedrigsten Stand seit einer Woche. Italienische Bonds lagen mit 0,862 Prozent so niedrig wie seit Anfang Oktober nicht, die Verzinsung griechischer Staatsanleihen sank sogar auf ein Rekordtief von 0,937 Prozent.

COMMERZBANK IM PLUS – AURUBIS UNTER DRUCK

Für Gesprächsstoff sorgten auch Firmenbilanzen. So sackten die Aktien des Kupferkonzerns Aurubis um 8,2 Prozent ab und fielen auf den niedrigsten Stand seit anderthalb Wochen. Ein Werksstillstand aus Wartungsgründen im Oktober und November brockten dem Konzern im ersten Quartal des Bilanzjahres 2019/20 einen Gewinnrückgang ein. Die Aktien von HeidelbergCement verloren bis zu 3,9 Prozent. Preiserhöhungen verhalfen dem Baustoffkonzern zwar zu einem höheren Gewinn. Der Umsatz stieg aber nur um zwei Prozent auf vergleichbarer Basis. Er habe damit leicht unter den eigenen Erwartungen gelegen, räumte das Unternehmen ein.

Um etwa fünf Prozent nach oben ging es dagegen für die Papiere der Commerzbank. Der Verlust im vierten Quartal war mit 54 Millionen Euro geringer ausgefallen als Experten erwartet hatten. “Wenn man über die Abschreibungen und Einmaleffekte hinwegblickt, sieht es solide aus mit einer guten Kapitalposition”, erklärten die Experten des Finanzdienstleisters Jefferies.

In Amsterdam gingen die Aktien des Versicherers Aegon nach einem unerwartet großen Rückgang des Vorsteuergewinns auf Talfahrt und sackten um 9,4 Prozent ab. Analyst Ashik Musaddi von der Investmentbank JP Morgan Cazenove sagte, die Finanzlage des Unternehmens sei schlechter als erwartet. Die Kapitalbasis sei zwar angemessen. “Wir sehen aber keinen Spielraum für Aktienrückkäufe in den kommenden zwei bis drei Jahren.”

rtr