Aktien New York Schluss: Durchbruch im Brexit-Streit sorgt für Gewinne

NEW YORK (dpa-AFX) – Der Durchbruch im Brexit-Konflikt hat die Stimmung an der Wall Street wieder etwas aufgehellt. Die wichtigsten Aktienindizes schlossen am Donnerstag moderat im Plus, nachdem sie zur Wochenmitte noch leicht nachgegeben hatten.

Der Dow Jones Industrial (Dow Jones 30 Industrial) ging 0,09 Prozent höher bei 27 025,88 Punkten aus dem Handel. Der marktbreite S&P 500 rückte um 0,28 Prozent auf 2997,95 Punkte vor. Für den technologielastigen NASDAQ 100 ging es um 0,28 Prozent auf 7942,14 Zähler nach oben.

Der bereits 2018 ausgehandelte Austrittsvertrag zwischen der EU und Großbritannien wird nun in wenigen Punkten geändert. Die Garantieklausel für eine offene Grenze zwischen dem EU-Staat Irland und dem britischen Nordirland – der sogenannte Backstop – wird auf Wunsch Londons gestrichen und ersetzt. Die neue Lösung ist komplex, aber der Kern ist: Es wird keine Zollkontrollen an der inneririschen Grenze geben.

Dennoch geht die Zitterpartie um den Brexit jetzt in die nächste Runde: Aus dem britischen Unterhaus, das am Samstag zustimmen müsste, kam sofort Widerstand.

An der Wall Street standen derweil wieder Geschäftsberichte im Fokus. So hatte IBM im dritten Quartal angesichts des anhaltend schwachen IT-Kerngeschäfts erneut Geschäftseinbußen verzeichnet. Investoren reagierten sehr enttäuscht und ließen die Aktie als Schlusslicht im Dow um 5,52 Prozent fallen. “Die sehr gute Entwicklung des ‘Neuzugangs’ Red Hat wird derzeit durch den Rückgang des ‘klassischen’ Servicegeschäftes überschattet”, schrieb Analyst Ingo Wermann von der DZ Bank. Red Hat ist eine auf das Betriebssystem Linux spezialisierte US-Software-Firma, die IBM im vergangenen Jahr erworben hatte.

Bessere Geschäfte im Investmentbanking und ein höherer Zinsüberschuss hingegen hatten der Großbank Morgan Stanley im dritten Quartal zu einem überraschend hohen Gewinn verholfen. Die Aktien zogen um gut 1,5 Prozent am.

Der Streaminganbieter Netflix übertraf mit der Neuabonnentenzahl die Markterwartungen. Darüber, dass er hier hinter seinen eigenen Ansprüchen zurückblieb, sahen die Anleger ebenso hinweg wie über die eher konservative Zielsetzung für das Schlussquartal. Die Anteilscheine waren stark in den Handel gestartet und lagen am Ende noch an der Spitze des Nasdaq 100 knapp 2,5 Prozent im Plus.

Positive Nachrichten kamen auch von Honeywell: Der Mischkonzern hatte mit seinen Geschäftszahlen insgesamt positiv überrascht, so dass die Anteilscheine um gut 2 Prozent anzogen.

Licht und Schatten wiederum gab es bei Philip Morris. Der Tabakkonzern hatte zwar im vergangenen Quartal dank steigender Marktanteile für seine E-Zigaretten die Gewinnerwartungen am Markt übertroffen, doch das Geschäft mit den herkömmlichen Glimmstängeln war stärker als erwartet zurückgegangen. Die Anteilscheine fanden lange Zeit keine klare Richtung und stiegen dann bis zum Handelsschluss um knapp 1 Prozent.

Der Euro profitierte von der Brexit-Einigung und notierte zuletzt bei 1,1123 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs auf 1,1113 (Mittwoch: 1,1025) Dollar festgesetzt und der Dollar damit bei 0,8999 (0,9070) Euro notiert. Richtungweisende US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren sanken angesichts der Gewinne an der Wall Street um 3/32 Punkte auf 98 27/32 Punkte, was im Gegenzug die Rendite auf 1,752 Prozent steigen ließ./la/he

— Von Lutz Alexander, dpa-AFX —