EZB-Kurswechsel schiebt Dax & Co an – Nokia-Aktie minus 15 Prozent

“Die Entscheidung ist im Prinzip so ausgefallen wie erwartet, aber offenbar hatten einige Anleger mit einer deutlicheren Straffung der Geldpolitik gerechnet”, sagte Analyst Ulrich Wortberg von der Landesbank Helaba. Die Gemeinschaftswährung fiel auf 1,1755 Dollar von 1,1813 Dollar zurück. Den Aktienmärkten kommt ein schwächerer Euro zu Gute, da dies die Chancen der Export-Unternehmen aus der Euro-Zone auf dem Weltmarkt erhöht.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird ab Januar das monatliche Volumen der Anleihenaufkäufe auf 30 Milliarden von derzeit 60 Milliarden Euro verringern. Zugleich verlängerte sie aber das umstrittene Programm zur Ankurbelung der Wirtschaft bis mindestens Ende September 2018. Den seit März 2016 bei null Prozent liegenden Leitzins tasteten die Währungshüter nicht an. “Zwar könnte der heutige Entscheid den Grundstein für eine künftige geldpolitische Wende gelegt haben, mitnichten bedeutet er aber ein rasches Ende der ultralockeren Geldpolitik”, sagte Analyst Sebastian Becker von der Deutschen Bank.

MÖGLICHE NEUWAHLEN IN KATALONIEN BERUHIGEN ANLEGER

An der Börse in Spanien beruhigte die Aussicht auf Neuwahlen in Katalonien die Gemüter der Anleger. Der Leitindex in Madrid zog um 2,7 Prozent auf den höchsten Stand seit neun Wochen an. Auch spanische Anleihen waren gefragt, die Rendite der zehnjährigen Titel schwächte sich im Gegenzug deutlich ab. “Die Nachricht über Neuwahlen ist gut für Spanien, weil es zeigt, dass die Regionalregierung an anderen Lösungen als nur der Unabhängigkeit interessiert ist”, sagte Analyst Martin van Vliet von der Bank ING.

Die Unabhängigkeitsbestrebungen der wirtschaftlich starken spanischen Region machen Anleger seit Wochen nervös. Sie befürchten, dass bei einem Erfolg der katalanischen Separatisten Regionen in anderen Ländern eine Abspaltung anstreben und damit die Zukunft der Europäischen Union (EU) gefährden.

PESSIMISTISCHER AUSBLICK SCHOCKT ANLEGER VON NOKIA

Größter Gewinner im Dax waren Beiersdorf-Aktien mit einem Kursplus von 5,3 Prozent. Die Geschäfte des Herstellers von Nivea-Produkten legten im dritten Quartal zu, der Vorstand erhöhte die Gesamtjahresziele. Gut an kam auch die Münchener Rück mit Zahlen, ihre Aktien stiegen um 2,6 Prozent. Trotz der vielen Wirbelstürme in den USA und der Karibik erwartet der Konzern einen kleinen Gewinn.

Die rote Karte zeigten Investoren dagegen der Deutschen Bank, ihre Aktien fielen um 1,7 Prozent. Vor allem niedrigere Kosten sorgten im Sommerquartal für einen Gewinn, die Erträge im Wertpapierhandel und in der Investmentbank gingen dagegen erneut zurück. Lange Gesichter gab es auch bei Barclays. Die britische Bank verdiente weniger als erwartet, die Aktien sackten um 5,2 Prozent ab. Die spanische Bank Santander überzeugte dagegen mit ihrer Bilanz, ihr Kurs stieg um 3,3 Prozent.

Bayer-Titel brachen im Dax um drei Prozent ein, nachdem der Chemie- und Pharmakonzern in einzelnen Sparten die Umatzerwartungen verfehlte. Auf der Abschussliste standen auch die Titel des finnischen Nokia-Konzerns, der Anleger mit einem pessimistischen Ausblick schockte. Die Aktien brachen um 15 Prozent ein.

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