Bilanzsaison hält Anleger auf Trab – Commerzbank-Aktie, Infineon und ThyssenKrupp schwach

“Unsicherheit ist das Schlagwort 2017”, spielte ein Händler auf die zahlreichen Wahlen an, die im Jahresverlauf in Europa anstehen. Hinzu kämen wachsende Zweifel am Kurs des neuen US-Präsidenten Donald Trump. Die Börsen hatten zunächst begeistert auf die Wahl des Republikaners reagiert, der niedrigere Steuern und weniger Regulierung versprochen hatte. Bislang hat Trump aber noch keine Details genannt.

Auch handelspolitisch weht in den USA seit Trumps Amtsantritt ein anderer Wind. Das bekommen auch die Firmen hierzulande zu spüren. So legten US-Behörden Infineon bei der schon fast abgeschlossenen Übernahme einer amerikanischen Firma überraschend Steine in den Weg. Der Chipbauer kann vermutlich Wolfspeed nicht wie geplant vom LED-Hersteller Creed übernehmen. “Das ist ein Rückschlag für Infineon”, schrieb DZ-Bank-Analyst Harald Schnitzer in einer Kurzstudie. Nach Angaben der Unternehmen betrachten die US-Behörden die Übernahme als Risiko für die nationale Sicherheit der USA. Infineon brachen um 3,8 Prozent auf 16,73 Euro ein.

THYSSENKRUPP UND COMMERZBANK SCHWÄCHELN NACH ZAHLEN

Zu den Schlusslichtern im Dax zählten auch Thyssenkrupp mit einem Abschlag von bis zu 4,8 Prozent auf 22,14 Euro. Den Aktionären ist Händlern zufolge das nur langsame Vorankommen bei den Gesprächen über eine Stahlfusion mit der indischen Tata ein Dorn im Auge. Doch auch die Gewinnentwicklung verlief laut Analysten schlechter als erwartet. Vor allem das kriselnde europäische Stahlgeschäft macht dem Konzern zu schaffen. Im Sog von Thyssenkrupp fielen im MDax Salzgitter um fast zwei Prozent.

Auch die Commerzbank konnte mit ihrem Zahlenwerk die Anleger nicht nachhaltig überzeugen: Die Papiere verloren kanpp vier Prozent. Der anstehende Konzernumbau und die Krise in der Schifffahrt überschatten das Geschäft des zweitgrößten deutschen Geldhauses.

HAMBURGER HAFEN STÜRZEN NACH URTEIL ZUR ELBVERTIEFUNG AB

Lange Gesichter gab es bei den Aktionäre des Logistikunternehmens HHLA : In Leipzig erklärte das Bundesverwaltungsgericht einen Teil der Pläne zur Elbvertiefung für rechtswidrig. Hamburg setzt mit dem mehrere hundert Millionen Euro teuren Großprojekt darauf, dass der größte Seehafen Deutschlands besser für große Containerschiffe erreichbar wird. HHLA, die von einer Elbvertiefung profitiert hätten, stürzten um fast 14 Prozent auf 16,56 Euro ab.

Dagegen waren die Anleger von den Geschäftszahlen der Societe Generale in Paris ganz angetan. Die Titel stiegen um 1,7 Prozent und zählten im EuroStoxx50 damit zu den Favoriten. Die Franzosen wollen zudem ihre boomende Auto-Leasing-Sparte an die Börse bringen. Mit Käufen honorierten die Anleger auch die Zahlen von Total. Der Ölkonzern trotzte dem Branchentrend. Die Titel stiegen um fast ein Prozent.

rtr

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