Anleger in Europa sind wieder im Rallyfieber

“Die Hoffnung auf konkrete Pläne des neuen US-Präsidenten Donald Trump für Steuern und Wirtschaft treibt die Wall Street und zieht den Deutschen Aktienindex mehr oder weniger mit”, sagte Marktanalyst Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets.

Weil wegen eines Feiertags in den USA die Börsen an der Wall Street geschlossen bleiben, rechneten Experten aber mit einem vergleichsweise ruhigen Handel.

Für Gesprächsstoff sorgte die vom US-Nahrungsmittelriesen Kraft Heinz überraschend fallen gelassene Offerte für den Rivalen Unilever. Die Titel des britisch-niederländischen Konsumgüterkonzerns brachen in London um bis zu neun Prozent ein und steuerten auf den größten Tagesverlust seit fast 17 Jahren zu. Der britische Auswahlindex FTSE konnte daher bei der Kursrally der anderen Aktienmärkte nicht mithalten und notierte unverändert. In Deutschland schlugen Anleger aus Enttäuschung über ein Nicht-Zustandekommen des 143 Milliarden Dollar schweren Deals Henkel und Beiersdorf los. Die Titel waren mit einem Minus von bis zu zwei Prozent zeitweise die einzigen Dax-Verlierer.

In den USA hatten die Börsen am Freitag nach Handelsende in Europa deutlich zugelegt. Der S&P 500 schloss nur knapp unter seinem Rekordhoch. Investoren setzen darauf, dass die Wirtschaftspolitik von Trump die Konjunktur anschiebt, dass Steuern für Unternehmen sinken und die Regulierung der Banken geringer wird. Analysten warnen jedoch vor einem Ende der Rally. “Donald Trumps sprunghafte Politikversuche wirken am Kapitalmarkt in gewisser Weise wie ein Abkühlbecken nach einem ordentlichen Saunagang”, schrieb LBBW-Analyst Clemens Bundschuh in einem Marktkommentar.

Trump sorgte am Wochenende für Aufsehen mit Aussagen über einen angeblichen Vorfall mit Einwanderern in Schweden. Der 70-Jährige ist bereits mehrfach dafür kritisiert worden, Dinge zu behaupten, die sich kaum durch Fakten stützen lassen.

ANLEGER STREICHEN BEI COVESTRO GEWINNE EIN

Hoch im Kurs bei Anlegern standen die Papiere der Deutschen Telekom. Sie stiegen um 3,3 Prozent auf den höchsten Stand seit Ende Januar und waren mit Abstand stärkster Wert im Dax und im EuroStoxx50. Insidern zufolge will der japanische Telekom-Riese Softbank die Mehrheit an seiner US-Mobilfunksparte Sprint an die Telekom-Tochter T-Mobile US verkaufen. Der europäische Telekom-Index legte um 1,5 Prozent zu und war so gefragt wie kein anderer Sektor.

Im MDax machten Covestro-Aktionäre nach einem Rekordergebnis der Bayer-Tochter Kasse und schickten die Titel um 3,7 Prozent nach unten. Gefragt waren im Nebenwerteindex dagegen die Papiere des südafrikanisch-deutschen Möbelkonzerns Steinhoff, nachdem er die Pläne für ein Zusammengehen mit Shoprite aufgegeben hat. Steinhoff stiegen um 7,2 Prozent, Shoprite in Johannesburg um 7,5 Prozent.

In London kam der Verzicht der Royal Bank of Scotland (RBS) auf den geplanten Verkauf ihrer Filialbank-Tochter Williams & Glyn gut an. Die Aktien des Geldhauses legten um bis zu 6,4 Prozent zu. rtr

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