Dax: Brexit und Trump haben Börse im Klammergriff – SAP-Aktie steigt

“Anleger waren alles in allem erleichtert, dass das Urteil des Supreme Court so ausgefallen ist wie erwartet”, sagte ein Aktienhändler.

Die britische Premierministerin Theresa May muss nun das Parlament über den Beginn des Austrittsprozesses aus der Europäischen Union (EU) abstimmen lassen. Sie will bis Ende März die Scheidung von der EU beantragen. Ob der Zeitplan eingehalten werden kann, hängt davon ab, ob das Parlament die Planungen Mays durchwinkt oder Änderungen verlangt. “Das Urteil ist ein Schlag ins Gesicht der britischen Regierung”, sagte Händler Jawaid Afsar von Securequity. Allerdings sei es sehr wahrscheinlich, dass das Parlament seine Zustimmung gebe. Commerzbank-Analystin Esther Reichelt rechnet damit, dass es vor allem hinsichtlich des Zeitpunktes neue Unsicherheiten gibt.

Das Pfund Sterling weitete seine Verluste nach dem Urteil leicht aus und notierte 0,4 Prozent im Minus bei 1,2461 Dollar. Der Londoner Auswahlindex “Footsie” gewann in der Spitze 0,5 Prozent auf 7190 Punkte.

ANLEGER BLENDEN POSITIVE NACHRICHTEN AUS DEN USA AUS

Auf der anderen Seite des Atlantiks trieb der neue US-Präsident Donald Trump Anlegern Sorgenfalten ins Gesicht. “In seiner ersten Woche im Amt wächst die Skepsis”, schrieben die Analysten der Bank ANZ in einem Marktkommentar. Es sei interessant, dass die Märkte bisher nicht positiver auf seine Bekräftigung von Steuersenkungen und geringerer Regulierung reagierten. “Es ist als ob als die guten Nachrichten aus den USA derzeit ausgeblendet werden.”

Durch neu verhandelte Handelsabkommen, Deregulierung und generelle Ausgabenkürzungen wolle Trump über die nächsten zehn Jahre Steuersenkungen im Volumen von 2,6 Billionen Dollar finanzieren, rechnet Marktanalyst Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets vor. “Schlägt das fehl, wird die US-Regierung einen Großteil der Steuersenkungen durch Neuverschuldung finanzieren müssen, womit dann gleichzeitig bei steigenden Zinsen auch die Zinslast steigen würde.”

FLUGGESELLSCHAFTEN FLIEGEN AUS DEN DEPOTS

Bei den Unternehmen nahm die Bilanzsaison Fahrt auf. SAP legte als erster Dax-Konzern Ergebnisse für 2016 vor, der Technologiekonzern verdiente mit 6,63 Milliarden Euro vier Prozent mehr und traut sich für 2017 mehr zu. Die Aktien stiegen um knapp ein halbes Prozent.

Im TecDax schossen Pfeiffer Vacuum um mehr als acht Prozent in die Höhe, nachdem der Vakuumpumpenhersteller Busch ein Übernahmeangebot für Pfeiffer vorgelegt hat.. Pfeiffer soll nach dem Willen von Busch-Gesellschafter Sami Busch weiterhin selbständig am Markt agieren und börsenotiert bleiben.

Aktien von Fluggesellschaften flogen aus den Depots nachdem Easyjet vor geringeren Gewinnen gewarnt hat. Die Titel verloren in London 7,6 Prozent, Lufthansa rutschten in ihrem Sog 1,2 Prozent ab.

Ebenfalls in London suchten Anleger der BT Group das Weite und brockten der Aktie einen Kurssturz von mehr als 19 Prozent ein. Wegen eines Bilanzskandals der britischen Tochter musste der Telekomkonzern seine Prognosen zurücknehmen.

rtr

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