Börsianer halten vor Trump-Vereidigung den Atem an

Je präsidialer seine Antrittsrede des 70-Jährigen sei, desto besser werde das für die Märkte sein, fügte Aktienstratege Hans Redeker von Morgan Stanley hinzu.

Mit Spannung warten Börsianer, ob der Immobilienunternehmer seinen Versprechen im Wahlkampf zu Steuersenkungen, Deregulierung und Handelsbeschränkungen Taten folgen lassen wird. Nach der ersten Begeisterung an der Börse über seinen Wahlsieg im November machte sich in den vergangenen Wochen Skepsis breit. Kritiker halten Trump für unberechenbar. So sorgt er regelmäßig mit Kurznachrichten über Twitter für Furore in der Unternehmenswelt und setzte zuletzt Autohersteller unter Druck mit der Drohung von Strafzöllen, sollten sie in Mexiko gebaute Autos in den USA verkaufen wollen.

Trump hat auch angekündigt, manche vom bisherigen Präsidenten Barack Obama eingeführten Gesetze zurückzunehmen. “Es zeichnet sich ab, dass die Trump-Administration zunächst eher auf die Rückabwicklung von Obamas Vermächtnis setzt als auf die Verabschiedung eigener Politikansätze”, sagte Analyst Andy Cossor von der DZ Bank. “Je nachdem, was auf Trumps To-Do-Liste ganz oben steht, wäre eine etwas erhöhte Finanzmarktvolatilität keine Überraschung.”

DOLLAR SUCHT VOR TRUMP-REDE EINE RICHTUNG

Starinvestor George Soros hat bereits davor gewarnt, dass die Börsen wegen unklarer Pläne Trumps für Wirtschaftspolitik ins Stocken geraten. “Die Unsicherheit ist jetzt am größten und ich glaube, dass sich die Aktienmärkte deshalb nicht gut entwickeln werden”, sagte er in Davos. Unter Druck könnten nach Ansicht von Analyst Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets vor allem zyklische Aktien wie Banken geraten, sollten Anleger deshalb Gewinne einstreichen. Noch zeigten sich Deutsche Bank und Commerzbank davon unbeeindruckt, sie stiegen bis zu 2,8 Prozent und waren größte Gewinner im Dax.

Auch am Devisenmarkt machten die Trump-Sorgen die Runde. Der Dollar-Index, der den Wert des “Greenback” zu anderen wichtigen Währungen widerspiegelt, verlor zeitweise 0,3 Prozent auf 100,85 Punkte, machte im Handelsverlauf aber wieder Boden gut. “Sollte es Trump wider Erwarten gelingen, mit euphorischen Aussagen den Glauben der Dollar-Bullen an die sogenannte ‘Trumpflation’ anzuheizen, dürfte sich der Greenback gestärkt ins Wochenende verabschieden können”, sagte DZ-Bank-Spezialist Robert Czerwensky. Die Experten der Commerzbank sind weniger zuversichtlich, dass von Trump viel Neues kommt. “Er wird sich heute vor allem Feiern lassen. Die Arbeit kommt später und wir tappen erst einmal weiter im Dunkeln.”

KLEINER VERFALL SORGT FÜR STÄRKERE KURSSCHWANKUNGEN

Im Dax standen erneut Lufthansa im Zentrum von Übernahmephantasien und schossen um 5,3 Prozent in die Höhe. Händler verwiesen auf einen Magazinbericht über ein Interesse des Abu Dhabi Sovereign Wealth Fund an einer zehnprozentigen Beteiligung.

Am deutschen Aktienmarkt war am Freitag kleiner Verfall. Kurse schwanken dann üblicherweise stark, weil Investoren die Preise derjenigen Wertpapiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung bewegen wollen.

rtr

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