Anleger treten den Rückzug an – Lufthansa-Aktie am Dax-Ende

“Die Stimmung hat sich eingetrübt”, sagte ein Händler. “Alle scheinen jetzt darauf zu warten, welche konkreten Maßnahmen Trump durchsetzt.” Seit seinem unerwarteten Wahlsieg Anfang November legte der Dax um fast zehn Prozent zu.

Der 70-jährige Immobilien-Mogul wird am 20. Januar in sein Amt als 45. Präsident der USA eingeführt. Doch schon jetzt sorgt er mit Nachrichten über Twitter für Furore in der Wirtschaft. Jüngstes Beispiel ist Toyota : Trump drohte dem Autobauer aus Japan mit hohen Strafzöllen, sollte er das Modell Corolla für den US-Markt in Mexiko produzieren lassen. Die Toyota-Aktie sackte um 1,7 Prozent ab und zog auch die Kurse japanischer Rivalen wie Nissan und Honda herunter.

In Deutschland machten Trumps Drohungen Aktionäre von Autobauern und -zulieferern nervös. VW verloren 0,6 Prozent, BMW und Daimler je 0,5 Prozent. Im MDax setzten Dürr die Talfahrt vom Vortag fort und verloren 3,1 Prozent. Weil der Autokonzern Ford nach einem Tweet von Trump Pläne für ein Werk in Mexiko aufgegeben hatte, verliert der Lackieranlagenbauer einen Auftrag. Analysten befürchten, dass auch andere Hersteller Bestellungen kündigen oder verschieben könnten.

SCHADET HANDELSPOLITIK VON TRUMP DEM DOLLAR?

Für frischen Wind am Aktien- und Devisenmarkt könnte der offizielle Arbeitsmarktbericht der USA am Nachmittag sorgen. Experten rechnen damit, dass im Dezember 178.000 neue Jobs geschaffen wurden, so viele wie im Monat zuvor. Laut dem privaten Arbeitsvermittler ADP, der bereits am Donnerstag Zahlen dazu veröffentlichte, entstanden in den USA im Dezember 153.000 neue Stellen, weniger als erwartet.

“Die Frage ist: Gelingt es dem politischen Anfänger Trump mit seiner oft unorthodoxen Art tatsächlich Arbeitsplätze in den USA zu schaffen, indem der Außenhandel eingeschränkt wird?”, sagte Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz. Am Devisenmarkt könne sich jederzeit die Ansicht durchsetzen, dass die angekündigte Handelspolitik den USA und damit dem Dollar schaden werde.

Der Dollar-Index, der den Wert der US-Devise zu anderen wichtigen Währungen widerspiegelt, pendelte um sein Vortagsniveau von 101,53 Punkten. Der Euro verteuerte sich leicht auf 1,06 Dollar.

SANOFI DARF CHOLESTERIN-MITTEL IN USA NICHT MEHR VERKAUFEN

Größter Verlierer im Dax waren Lufthansa mit einem Minus von 2,9 Prozent. Analysten der Schweizer Bank UBS sehen mit Blick auf den steigenden Ölpreis, die rückläufige Nachfrage und den höheren Wettbewerb Risiken für die Fluggesellschaft. “Wir erwarten, dass der Vorstand eine sehr vorsichtige Geschäftsprognose geben wird”, sagte Analyst Jarrod Castle. Er empfahl die Titel, die in den vergangenen drei Monaten mehr als 30 Prozent zugelegt haben, zum Verkauf.

Größter Verlierer im EuroStoxx50 und an der Börse in Paris waren Sanofi mit einem Kursminus von 2,5 Prozent. Ein US-Gericht untersagte wegen des Vorwurfs von Patentrechts-Verletzungen den Verkauf des Cholesterin-Mittels Praluent in den USA. Analysten zufolge gehen Sanofi dadurch fünf Prozent vom Gewinn verloren.

rtr

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