Europas Börsen vor Fed-Entscheidung im “Stand-By”-Modus – Pfandbriefbank-Aktie fällt

Beide Indizes haben seit Monatsbeginn angesichts der Aussicht auf weiterhin billiges Notenbankgeld der EZB schon um rund sechs Prozent zugelegt. Die am Abend erwartete Zinserhöhung durch die US-Notenbank Fed gilt an den Märkten als überfällig. Denn ursprünglich hatten die Währungshüter diesen Schritt schon für den Jahresanfang geplant, ehe ein Beben an den Börsen und die Brexit-Abstimmung in Großbritannien den Zeitplan durcheinanderbrachte.

“Entscheidender als die Zinserhöhung selbst, dürfte daher das ‘Wording’ zum künftigen Kurs der Währungshüter sein”, sagte LBBW-Analyst Uwe Streich. “Im Markt dürften zwei weitere Anhebungen im kommenden Jahr eingepreist sein.” Die Fed gibt ihre Entscheidung gegen 20.00 Uhr (MEZ) bekannt. Anschließend wird US-Notenbank-Chefin Janet Yellen die Beschlüsse erläutern. Dabei könnte laut Börsianern auch der im Januar anstehende Wechsel im Weißen Haus zur Sprache kommen.

“Alle Präsidenten wünschen sich im Grunde niedrige Zinsen”, sagte Martin Moryson, Chefvolkswirt von Sal. Oppenheim. “Diesen Gefallen wird die Fed Herrn Trump nicht tun. Es wird interessant, wie er darauf reagiert.” Auch die Notenbank wisse nicht, welchen wirtschaftspolitischen Kurs der designierte Präsident Donald Trump einschlagen werde. Die meisten bekannten Vorhaben könnten allerdings inflationstreibend sein. Daher spreche vieles dafür, dass die nächsten Zinsschritte schneller kommen und steiler ausfallen, sagte Moryson.

Derweil stehen in der Euro-Zone die Zeichen weiter auf eine Geldflut. Der Euro dürfte somit angeschlagen bleiben, da die US-Anleihen schon jetzt mehr Rendite als die europäischen abwerfen. Mit 1,0620 Dollar bewegte sich die Gemeinschaftswährung kaum.

NACHFOLGERIN VON HYPO REAL ESTATE HOLT ALTLAST EIN

Bei den Einzelwerten richtete sich das Augenmerk wieder auf die italienischen Banken: Unicredit, die am Vortag um 16 Prozent gestiegen waren, gaben nur vergleichsweise moderate zwei Prozent nach. Die Anleger hatten die milliardenschwere Rekord-Finanzspritze als Befreiungsschlag für die Bank gefeiert.

Die Aktien von Monte Paschi verloren 1,6 Prozent. Die EZB hatte den Antrag des Geldhauses auf mehr Zeit für einen Rettungsplan wie erwartet abgelehnt. Jetzt muss das Institut bis Ende des Jahres einen Plan vorlegen.

Im deutschen Aktienhandel standen die Probleme der Pfandbriefbank im Fokus: Die im MDax gelisteten Papiere stürzten um fast 13 Prozent auf 8,54 Euro ab. Eine Altlast aus der Zeit vor der Finanzkrise hat die Nachfolgerin der Hypo Real Estate (HRE) eingeholt: Ihr droht ein Verlust von bis zu 113 Millionen Pfund (134 Millionen Euro) aus einer Hypothekenverbriefung aus dem Jahr 2007.

In Mailand ging der Run auf die Aktien von Mediaset weiter, wenn auch etwas moderater: Der französische Medienkonzern Vivendi und der Großaktionär Fininvest von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi streiten sich über die Zukunft des Konzerns. Nach einem Plus von 32 Prozent legten Mediaset erneut fünf Prozent zu.

rtr

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