Europas Börsen stellen sich auf Weihnachtspause ein – Deutsche Bank-Aktie im Fokus

“Kurz vor dem Weihnachtsfest scheint den Marktteilnehmern auf dem Frankfurter Börsenparkett die Puste auszugehen”, sagte IG Markets-Analyst Christian Henke. Seit Monatsbeginn haben die Indizes je mehr als sieben Prozent zugelegt und damit das ganze Jahresplus quasi in der Adventszeit gemacht. Als Grund für die Weihnachtsrally gilt die Rekordjagd an der Wall Street.

Dort fällt es dem Standardwerte-Index Dow-Jones zwar weiterhin schwer, die Hürde von 20.000 Punkten zu überspringen. Doch setzen die Amerikaner seit der Wahl von Donald Trump zu ihrem künftigen Präsidenten auf eine sehr börsenfreundliche Wirtschaftspolitik mit weniger Regularien und einem massiven Konjunkturprogramm. Lediglich die vermutlich anziehenden Zinsen könnten die Freude der Aktienanleger trüben. Denn dadurch werden Staatsanleihen wieder rentabler und somit für viele attraktiver. Die Zinsspekulationen trieben in den vergangenen Wochen auch den Dollar zum Euro auf ein 14-Jahres-Hoch. Die Gemeinschaftswährung fiel in dieser Woche mit 1,0353 Dollar auf den niedrigsten Stand seit Januar 2003. Am Donnerstag notierte er mit 1,0450 Dollar etwas erholt.

NOKIA NACH KLAGEN GEGEN APPLE UNTER DRUCK

Von den Spekulationen auf weniger Regeln profitierten weltweit vor allem viele Bankenwerte. Nicht nur die US-Titel, auch die Deutsche Bank hat seit Monatsbeginn mit einem Plus von 20 Prozent deutlich mehr als der Gesamtmarkt zugelegt. Beim größten deutschen Geldhaus setzten viele Anleger zudem auf eine Einigung im Hypothekenstreit mit den USA noch vor Weihnachten. Die Strafe könnte dann milder als befürchtet ausfallen. Die Aktien gaben am Donnerstag 0,2 Prozent nach.

Heftige Kurskapriolen gab es erneut bei der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi : Nach einem Kursabsturz von zeitweise 9,8 Prozent auf ein frisches Rekordtief von 14,71 Euro drehten die Titel ins Plus und stiegen um 4,3 Prozent auf 17 Euro. Die Bank ächzt unter einem Berg fauler Kredite und hat Probleme einen neuen privaten Ankeraktionär zu finden. Immer wieder wurde der Handel auch am Donnerstag wegen automatischer Volatilitäts-Aussetzungen unterbrochen.

Die Angst vor einem Kollaps der Bank macht sich auch im Rentenhandel bemerkbar: So stiegen die Renditen der zehnjährigen italienischen Anleihen auf 1,85 von 1,82 Prozent am Vorabend. Auch die meisten übrigen europäischen Staatsbonds gaben nach, was im Gegenzug ihre Renditen etwas nach oben trieb.

Im EuroStoxx50 hielten Nokia mit einem Minus von 4,4 Prozent die rote Laterne: Der einstige Handy-Weltmarktführer hat in Deutschland und im US-Bundesstaat Texas einige Patentklagen gegen Apple eingereicht. Die Amerikaner waren nicht bereit, Lizenzgebühren für bestimmte patentierte Erfindungen zu zahlen.

rtr

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