Dax nach einem Jahr wieder über 11.000 – Anleger in vorweihnachtlicher Kauflaune

“Die Jahresendrally ist eröffnet”, sagte LBBW-Analyst Wolfgang Albrecht. Die Anleger setzten zum einen auf die EZB. Zum anderen ließen sie sich vom Rekordkurs der Wall Street anstecken. Dort hatten der Dow-Jones-Index und der S&P500. am Mittwoch neue Rekordstände markiert. Investoren spekulierten auf eine marktfreundliche Politik des künftigen US-Präsidenten Donald Trump. Der EuroStoxx50 hinkte dem Dax leicht hinterher und stieg um 0,6 Prozent auf 3159 Zähler. Damit notierte er so hoch wie zuletzt im Januar.

Die EZB berät seit dem Vormittag. Analysten gehen davon aus, dass die Notenbanker das aktuell auf 1,74 Billionen Euro angelegte Wertpapier-Kaufprogramm zur Stützung der Konjunktur um sechs Monate bis Ende September 2017 ausdehnen werden. Sollten die Währungshüter das derzeitige Volumen pro Monat beibehalten, käme das weiteren Geldspritzen für die Banken über 480 Milliarden Euro gleich. Die EZB will damit die Kreditvergabe und so die maue Konjunktur in Europa ankurbeln.

Einige Börsianer warnten aber, dass die Erwartungen sehr hoch seien. Damit gebe es auch ein großes Rückschlagrisiko. Bei der Dezember-Sitzung im vorigen Jahr hatte die EZB die Erwartungen der Anleger enttäuscht. Von seinem im April vorigen Jahres erreichten Rekordhoch von 12.390 Zählern trennen den Dax ohnehin noch über zehn Prozent.

Die EZB will ihren Zinsbeschluss um 13.45 Uhr (MEZ) bekanntgeben. Sie könnte dann auch einen Hinweis liefern, wie es mit den Wertpapierkäufen nach März 2017 weitergehen soll. Einzelheiten dürfte Notenbankchef Mario Draghi danach auf der Pressekonferenz ab 14.30 Uhr vorstellen. Er wird sich dann wohl auch zur Lage der italienischen Banken äußern, die unter einem Berg an faulen Krediten ächzen.

MONTE PASCHI BITTET EZB UM MEHR ZEIT – AKTIEN STEIGEN

Vor allem die Traditionsbank Monte dei Paschi steht seit Monaten unter Druck. Das Geldhaus bat am Mittwochabend die EZB um mehr Zeit für die Aufstellung eines Rettungsplans. Hintergrund sei die Unsicherheit darüber, wie es nach dem gescheiterten Verfassungsreferendum mit der neuen Regierung weitergeht, verlautete aus Kreisen. Die Aktien, die schon am Mittwoch von Spekulationen auf eine Rettung durch den Staat profitiert und über zehn Prozent gewonnen hatten, stiegen um rund vier Prozent auf 21,80 Euro.

Die Rally bei den meisten anderen europäischen Banken kam dagegen weitgehend zum Erliegen: Deutsche Bank rutschten 0,7 Prozent, nachdem die Titel in den vergangenen fünf Handelstagen rund 17 Prozent gewonnen hatten. Unicredit in Mailand fielen um 0,6 Prozent. Der EuroStoxx-Bankenindex lag nur noch leicht im Plus.

Gefragt waren hingegen die T-Aktien, die mit einem Aufschlag von 2,7 Prozent im Dax und EuroStoxx50 ganz oben standen. Händler verwiesen auf die Rekordjagd der Tochter T-Mobile US in New York.

rtr

Weitere Links:

  • Dax-Realtimekurse im Überblick

boerse-online.de