Dax im Minus: Anleger machen kurz vor Jahresende Kasse

Sorgen über die Zukunft der kriselnden Geldhäuser in Italien belasteten erneut Finanztitel. “Solange keine endgültige Lösung für die Rettung des italienischen Bankensektors gefunden ist, ziehen sich Anleger aus den Banken lieber zurück”, sagte ein Aktienhändler.

Die Probleme der Banken in Italien beschäftigen die Investoren schon seit Wochen. Vor allem die Sanierung der Bank Monte dei Paschi di Siena ist heikel, ihr fehlen nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) 8,8 Milliarden Euro Kapital. Auch der italienische Staat muss noch einige Milliarden zuschießen. Das Land hat die Sanierung der Banken des Landes über Jahre verschleppt, so türmte sich in den Büchern der Institute ein mehrere hundert Milliarden Euro schwerer Berg fauler Kredite auf.

Der europäische Bankenindex war mit einem Minus von 0,9 Prozent einer der größten Branchenverlierer. Deutsche Bank und Commerzbank gaben je 1,2 Prozent ab. Barclays in London, BNP Paribas in Paris und ING in Amsterdam verloren ebenfalls jeweils mehr als ein Prozent.

SAP TEUERSTES BÖRSENNOTIERTES UNTERNEHMEN DEUTSCHLANDS

Unternehmen aus dem Finanzsektor machten im vergangenen Halbjahr an der Börse aber einen großen Sprung nach vorn. Die Branche stellte 20 (Ende Juni: 15) der schwersten 100 Firmen der Welt, wie aus einer Erhebung der Unternehmensberatung Ernst & Young hervorging. Darunter sind jedoch keine deutschen Banken, sondern vor allem amerikanische und chinesische Häuser. Aus Europa kommen nur zwei, HSBC und BNP Paribas.

Der teuerste börsennotierte Konzern aus Deutschland war SAP mit 103 Milliarden Dollar. Er landete auf Platz 60 der Liste. Absoluter Spitzenreiter war erneut Apple mit einem Börsenwert von 625 Milliarden Dollar zum Jahresende. Das ist mehr als die sieben teuersten börsennotierten deutschen Unternehmen zusammen.

DAX STEHT VOR FÜNFTEM JAHRESPLUS IN FOLGE

Auf Jahressicht hat der Dax trotz der Verluste am Donnerstag knapp sieben Prozent gewonnen und schickt sich an, das fünfte Jahr in Folge mit einem Plus zu beenden. Die vergangenen zwölf Monate waren allerdings turbulent: Die Zuwächse beim Dax gehen fast ausschließlich auf das Konto des Dezembers. Im Februar war der Leitindex noch unter die Marke von 9000 Punkten gerutscht. Die chinesische Börsenkrise, der Brexit, die Präsidentenwahl in den USA und politische Turbulenzen in Italien hatten Anleger auf Trab gehalten.

Für 2017 sollten sich Investoren nach Ansicht von Experten ebenfalls ein dickes Nervenkostüm zulegen, denn Wahlen in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und wohl auch in Italien können Diskussionen über den Zusammenhalt der Euro-Zone wieder hochkochen lassen.

rtr

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