Anleger in ruhiger Weihnachtsstimmung – Deutsche Bank-Aktie im Aufwind

Der EuroStoxx50 bewegte sich mit 3265 Punkten kaum vom Fleck. “Weihnachten steht vor der Tür und an der Börse werden die letzten Bücher geschlossen”, sagte Aktienmarktanalyst Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets. Auch für die Wall Street signalisierten die Terminkontrakte leichte Verluste zu Handelsbeginn .

Auslöser für das kurzzeitige Dax-Hoch war vor allem ein Kurssprung der Deutschen Bank. Das Institut einigte sich mit den US-Behörden im Streit um faule Immobilienkredite auf eine Zahlung von rund sieben Milliarden Dollar. Ursprünglich hatte die Behörde 14 Milliarden Dollar gefordert. Die Aktien des größten deutschen Geldhauses stiegen daraufhin um bis zu fünf Prozent auf 18,64 Euro. Seit ihrem Rekordtief von Ende September entspricht das einem Zuwachs von mehr als 80 Prozent.

“Ein Riesen-Befreiungsschlag ist das nicht, aber der Vergleich reduziert die Unsicherheit”, sagte Union-Investment-Fondsmanager Ingo Speich. Die Deutsche Bank muss zunächst 3,1 Milliarden Dollar Strafe bezahlen, der Rest der Summe wird in den kommenden Jahren in Form von Verbraucherentschädigungen fällig. Experten rechnen daher nicht mit einer unmittelbar bevorstehenden Kapitalerhöhung. Allerdings bleibe die Kapitalausstattung des Instituts sowie die operative Entwicklung im Vergleich zu Wettbewerbern schwach, betonte DZ-Bank-Analyst Christian Koch. Er riet weiterhin zum Verkauf der Aktien.

KURSGEWINNE IN ITALIEN

Deutliche Zuwächse gab es an der Börse in Italien, nachdem der Staat der ins Straucheln geratenen Bank Monte dei Paschi di Siena erneut unter die Arme griff. Zudem rief das Kabinett von Ministerpräsident Paolo Gentiloni einen 20 Milliarden Euro schweren Fonds zur Stabilisierung des gesamten italienischen Bankensektors ins Leben. Der Auswahlindex der Mailänder Börse stieg um ein Prozent, der italienische Banken-Index legte 1,5 Prozent zu. Die Titel von Monte Paschi blieben vom Handel ausgesetzt.

Auch in der Schweiz und in Großbritannien drehte sich an der Börse alles um die Banken. Credit Suisse einigte sich wie die Deutsche Bank mit den US-Justizbehörden auf einen Vergleich von insgesamt 5,3 Milliarden Dollar. Auch sie kann das nach Einschätzung von Fachleuten aus eigener Kraft stemmen. Credit-Suisse-Titel konnten ihre zwischenzeitlichen Gewinne aber nicht halten und notierten 1,2 Prozent im Minus.

BARCLAYS GEHT AUF KONFRONTATIONSKURS ZU US-BEHÖRDEN

An der Londoner Börse gingen Barclays mit einem Verlust von 0,9 Prozent aus dem Handel, der wegen Weihnachten früher als sonst endete. Das britische Institut lässt es im Streit um Tricksereien auf dem US-Hypothekenmarkt auf einen Gerichtsprozess ankommen und lehnte einen Vergleich wie Credit Suisse und Deutsche Bank ab.

Im deutschen Nebenwerteindex MDax spurteten die Aktien von K+S mit einem Kursplus von 1,8 Prozent an die Spitze. Der Salz- und Düngemittelhersteller erhielt vom Regierungspräsidium Kassel eine Genehmigung zur Versenkung von Salzabwässern in den Untergrund bis zum Jahr 2021.

rtr

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