Trumps Wahlsieg sorgt für kurzen Schreck am Finanzmarkt – Goldpreis kann Gewinn nicht halten

“Der Grund hierfür ist der versöhnliche Tenor von Trumps Siegesrede”, sagte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. Der Wahlsieger rief dazu auf, die Spaltung der Gesellschaft in seinem Land zu überwinden. Außerdem wolle er “fair” mit der Weltgemeinschaft umgehen.

Dax und EuroStoxx50 notierten nach anfänglichen Verlusten von knapp drei Prozent nur noch jeweils rund ein Prozent im Minus bei 10.385 und 2981 Punkten. Auch an anderen Börsen wie in London und Paris standen die Zeichen auf Entspannung. Die Terminkontrakte auf die US-Aktienindizes signalisierten ein vergleichsweise moderates Eröffnungsminus an der Wall Street von gut zwei Prozent. Der Euro lag mit 1,1095 Dollar mehr als zwei US-Cent unter seinem Tageshoch.

Der Goldpreis, der zunächst fünf Prozent zugelegt hatte, notierte nur noch 2,3 Prozent im Plus bei 1304,60 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Der Ölpreis drehte sogar knapp ins Plus. Die richtungsweisende Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 0,3 Prozent auf 46,19 Dollar je Barrel (159 Liter).

KONJUNKTURSCHUB DURCH TRUMP? – PHARMAWERTE IM AUFWIND

“Nimmt man Trump beim Wort, so plant er deutlich niedrigere Steuern und höhere Ausgaben”, betonte Stefan Kreuzkamp, Chef-Anlagestratege des Vermögensverwalters Deutsche Asset Management. “Das liefe auf ein stattliches staatliches Konjunkturprogramm hinaus, zu einem Zeitpunkt, an dem die USA bereits nahe an der Vollbeschäftigung sind.” Hiervon profitierten unter anderem Werte wie HeidelbergCement. Der Bauindustrie-Zulieferer sieht sich mittelfristig als einer der Profiteure des Wahlausgangs. Seine Aktien gewannen 4,5 Prozent. Die Konkurrenten Buzzi Unichem und CRH legten sogar bis zu 7,8 Prozent zu. Letztere kletterten auf ein Neuneinhalb-Jahres-Hoch von 32,12 Euro.

Pharmawerte legten vier Prozent zu. Wahlverliererin Hillary Clinton hatte sich in den vergangenen Monaten für Zwangsrabatte auf Medikamente stark gemacht. Rüstungsfirmen wie Rheinmetall gehörten mit Kursgewinnen von 4,6 Prozent ebenfalls zu den Favoriten. Trump will die Verbündeten der USA an den Kosten für die Präsenz von US-Truppen zur Kasse bitten will, setzten Anleger Börsianern zufolge auf steigende Militärausgaben europäischer Staaten.

WIRD DIE SUPPE SO HEISS GEGESSEN, WIE SIE GEKOCHT WIRD?

Dem Vermögensverwalter EuroSwitch zufolge wird der Wahlsieger in der Handelspolitik einen pragmatischeren Kurs fahren als gedacht. “Unternehmen wie Apple & Co. sind global vernetzt und auf den Freihandel angewiesen.” Der Index für die europäische Automobil-Branche verlor dennoch 2,6 Prozent. Anleger fürchten, dass die Hersteller nun in den USA im Vergleich zu den heimischen Autokonzernen ins Hintertreffen geraten könnten.

Noch härter traf es den mexikanischen Peso. Er reagiert besonders sensibel auf die Nachrichten rund um die Wahl im nördlichen Nachbarland USA, da Trump unter anderem Strafzölle auf mexikanische Waren plant und an der Grenze eine Mauer bauen will. Der Dollar stieg um bis zu 13,5 Prozent auf ein Rekordhoch von 20,77 Peso und steuerte damit auf den größten Tagesgewinn seit 22 Jahren zu.

Die Furcht vor einem Einbruch des Mexiko-Geschäfts drückte die BBVA in Madrid bis zu neun Prozent ins Minus. Das spanische Geldhaus macht mehr als 40 Prozent seiner Gewinne in dem Land. Am deutschen Aktienmarkt gehörte die Deutsche Bank mit einem Kursminus von 2,8 Prozent zu den größten Verlierern. Dem Geldhaus drohen in den USA milliardenschwere Strafen wegen Tricksereien am Immobilienmarkt.

rtr

Weitere Links:

  • Dax-Realtimekurs im Überblick

boerse-online.de