Nahendes “Renzirendum” macht Aktienanleger vorsichtig – Lufthansa-Aktie im Minus

Derzeit deute alles darauf hin, dass die geplante Verfassungsreform beim Referendum am 4. Dezember durchfällt, schrieben die Analysten der Essener National-Bank. “Ob die Regierung dem innenpolitischen Druck nach einem Scheitern standhalten wird, ist zu bezweifeln. Neuwahlen mit ungewissen Ausgang wären die Folge.” Umfragen sehen die europakritische “Fünf-Sterne-Bewegung” vorn.

Börsianern zufolge könnte ein Sturz der Regierung des Ministerpräsidenten Matteo Renzi es italienischen Banken erschweren, dringend benötigtes frisches Kapital einzusammeln. So benötigt die krisengebeutelte Banca Monte dei Paschi di Siena (BMPS), das älteste Geldhaus der Welt, fünf Milliarden Euro. Eckpfeiler dieses Deals ist der Tausch von Schulden in Eigenkapital, für den die italienische Finanzaufsicht am Montag grünes Licht gab. BMPS-Titel brachen zeitweise um mehr als zwölf Prozent ein. Unicredit verloren 4,2 Prozent. Die HVB-Mutter benötigt bis zu 13 Milliarden Euro.

BANKEN EUROPAWEIT UNTER DRUCK – LUFTHANSA IM MINUS

Aktien von Banken aus anderen Ländern warfen Investoren ebenfalls aus ihren Depots. Deutsche Bank und Commerzbank rutschten um jeweils etwa drei Prozent ab, der europäische Banken-Index büßte 1,7 Prozent ein. “Das sind aber größtenteils Gewinnmitnahmen”, betonte ein Börsianer. “Der Sektor hatte in den vergangenen Wochen einen guten Lauf.” Deutsche Bank gewannen in diesem Zeitraum mehr als 15 Prozent.

Zu den größten Verlierern im Dax zählte auch die Lufthansa mit einem Kursminus von 2,7 Prozent. “Das ist kein Wunder, schließlich ist eine Einigung mit den Piloten nicht in Sicht”, sagte ein Aktienhändler. Die Flugzeugführer wollen am Dienstag und Mittwoch erneut die Arbeit ruhen lassen. Dies wird der 15. Ausstand seit Beginn der Tarifauseinandersetzungen im April 2014.

EURO AUF ERHOLUNGSKURS – ÖLPREIS AUF TALFAHRT

Auf dem Aktienmarkt lastete außerdem die Aufwertung des Euro, die Waren europäischer Firmen auf dem Weltmarkt weniger wettbewerbsfähig macht. Die Gemeinschaftswährung verteuerte sich um mehr als einen US-Cent auf 1,0653 Dollar. “Diejenigen, die auf die Dollar-Rally seit Anfang November gesetzt hatten, sitzen auf großen Gewinnen”, sagte Anlagestratege Masafumi Yamamoto von der Bank Mizhuo. “Es ist keine Überraschung, dass sie jetzt Kasse machen.” Nach dem überraschenden Sieg von Donald Trump bei der US-Präsidentenwahl hatte der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, wegen Spekulationen auf einen Wirtschaftsboom und rasche Zinserhöhungen der Notenbank Fed rund vier Prozent zugelegt.

Zweifel an einer baldigen Förderbremse setzten den Ölpreis unter Druck. Die Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um ein Prozent auf 46,79 Dollar je Barrel (159 Liter), nachdem Top-Exporteur Saudi-Arabien eine Kürzung der Fördermengen in Frage gestellt hatte. Eine anziehende Nachfrage werde den Preis auch ohne Eingriffe des Export-Kartells Opec stabilisieren.

rtr

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