Dax fällt: Trumps Aufholjagd belastet Märkte – Deutsche Bank-Aktie und Commerzbank im Minus

“Mit Helloween kehrte das Schreckgespenst Trump an die Börsen zurück”, sagte LBBW-Analyst Uwe Streich. Viele Anleger gingen daher auf Nummer sicher und kauften Gold und Staatsanleihen. Die US-Zinsentscheidung am Abend (19.00 Uhr MEZ) stand ganz im Schatten der politischen Entwicklung. Der Republikaner gilt als unberechenbar. Dagegen wird erwartet, dass Clinton die Politik ihres Parteifreundes Barack Obama fortsetzen wird.

Dax und EuroStoxx50 fielen je um rund ein Prozent auf 10.418 und 2989 Zähler. Der Dollar rutschte weiter ab, was den Euro zeitweise auf 1,11 Dollar trieb – das höchste Niveau seit etwa drei Wochen. Gefragt waren vor allem Währungen, die als sicherer Hafen gelten, wie der Schweizer Franken. Gold verteuerte sich um 0,7 Prozent auf ein Ein-Monats-Hoch von 1297,35 Dollar je Feinunze. Am Rentenmarkt gingen mit den steigenden Kursen die Renditen in die Knie.

Vor zwei Wochen galt Clinton noch als fast sichere Siegerin. Doch neue Ermittlungen des FBI in der E-Mail-Affäre machen ihr zu schaffen und haben Trump Rückenwind gegeben. Die Wahl findet am nächsten Dienstag statt.

ANGST VOR EINER WIEDERHOLUNG DES BREXIT-SCHOCKS

Der Vorsprung von Clinton bei den Umfragen schmelze, auch wenn es derzeit weiterhin nach einem Sieg der Demokratin aussehe, sagte Commerzbank-Analystin Esther Reichelt. “Doch der Markt erlebt gerade ein Déjà vu – er hat die Turbulenzen am Devisenmarkt nach dem Brexit-Referendum nicht vergessen.” Im Juni hatten die Anleger bis kurz vor Bekanntwerden der Ergebnisse den Umfragen vertraut und auf eine Ablehnung des EU-Austritts durch die Briten gesetzt. Seither ist das Pfund Sterling um über zehn Prozent abgestürzt.

Zwar stand noch die Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed (um 19.00 Uhr MEZ) und erste Arbeitsmarktdaten für den Oktober auf den Terminkalendern. Doch so richtig dürfte dies den Markt kaum bewegen. Im Falle eines Trump-Sieges halten einige Analysten eine Zinserhöhung durch die Fed bei der nächsten Sitzung im Dezember für fraglich. Für die aktuelle Sitzung rechnete kaum jemand mit einer Zinsänderung.

Derweil geriet der mexikanische Peso unter die Räder. Wegen seiner handelspolitischen Vorstellungen – Trump will Strafzölle einführen – und seiner Haltung gegen die Einwanderung vor allem auch aus Mexiko ist die Währung des Landes zu einer Art Barometer für die Chancen von Trump bei den Wahlen geworden.

STAHL- UND FINANZWERTE AUF TALFAHRT

Besonders unter Druck waren in Europa die Stahlwerte. Händler verwiesen auf einen schwachen Quartalsbericht von US Steel. ThyssenKrupp im Dax und Salzgitter im MDax verloren 2,4 und 4,3 Prozent. Zudem fielen die in Amsterdam und Paris gelisteten Aktien des Branchenprimus Arcelormittal um 3,5 Prozent. Auch die Finanzwerte ließen Federn: Deutsche Bank und Commerzbank verloren je mehr als zwei Prozent. Im Falle neuer Marktturbulenzen könnte es für die Geldhäuser, die ohnehin schon unter der Niedrigzinspolitik leiden, noch schwieriger werden.

Erleichterung über einen weniger starken Gewinnrückgang als befürchtet schob die Aktien von Hugo Boss im MDax um bis zu acht Prozent an. In Kopenhagen flogen dagegen die Papiere von Moller-Maersk in hohem Bogen aus den Depots, nachdem der dänische Großreeder mit seinem Quartalsergebnis die Anleger enttäuscht hatte. Die Titel stürzten um neun Prozent ab.

rtr

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