Börsen in Europa kommen am “Black Friday” nicht vom Fleck

“Weil die Händler in den USA ihr Truthahn-Essen von gestern erstmal verdauen müssen, ist auch hierzulande nichts los”, sagte ein Aktienhändler.

Am Tag nach Thanksgiving, an dem die US-Börsen geschlossen bleiben, macht die Wall Street ihre Handelsräume früher dicht. Denn die Amerikaner haben an diesem Tag nur eines im Sinn: Shopping. Der “Black Friday” gilt als umsatzstärkster Tag des US-Einzelhandels. Anleger werden Meldungen zu den Umsätzen der Einzelhändler daher aufmerksam verfolgen, um daraus Rückschlüsse auf das wichtige Weihnachtsgeschäft zu ziehen. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der Konjunktur in den USA.

An den Devisenmärkten gönnte sich der Dollar, der in den vergangenen Tagen wegen Spekulationen auf steigende US-Zinsen von einem Hoch zum anderen geeilt war, eine Verschnaufpause. Der Dollar-Index, der den Wert der US-Devise zu anderen wichtigen Währungen widerspiegelt, fiel um 0,4 Prozent auf 101,27 Punkte. Das half dem Euro auf die Sprünge, er verteuerte sich um gut einen halben US-Cent auf 1,0614 Dollar.

Einen Blick richteten Devisenanleger auch in die Türkei, wo die Währung immer weiter abrutscht, obwohl die Notenbank des Landes erst am Mittwoch die Zinsen erneut erhöht hatte. Der Dollar kostete mit 3,47 Lira so viel wie noch nie. Analysten der Commerzbank rechnen mit einem weiteren Abrutschen der Währung, sie sehen den Kurs bis zum zweiten Quartal 2017 bei 3,60 Lira. “Die Zentralbank scheint in Sachen Zinserhöhungen äußerst behutsam vorzugehen und hat diesbezüglich möglicherweise nicht mehr allzu viel Handlungsspielraum”, sagte Expertin Esther Maria Reichelt. Die jüngste Zinserhöhung sei ein klassischer Fall von “zu wenig, zu spät” gewesen.

FUSIONSFANTASIEN IN DER PHARMABRANCHE

Am deutschen Aktienmarkt rückte die Lufthansa in den Fokus, nachdem die Piloten ihren Streik auf Samstag ausgeweitet haben und alle Langstreckenverbindungen aus Deutschland heraus lahmlegen wollen. Die Aktien verloren ein halbes Prozent und waren einer der größten Dax-Verlierer. “Der Streik ist für das Image der Lufthansa eine Katastrophe”, sagte ein Händler. “Er kostet viel Geld und es ist nicht absehbar, dass die Lufthansa oder die Piloten einlenken.” Konzernangaben zufolge beläuft sich der direkte Schaden aus den ersten beiden Streiktagen auf etwa 20 Millionen Euro.

In der Pharmabranche trieben Fusionsfantasien die Anleger um, nachdem die Nachrichtenagentur Bloomberg über ein Interesse von Johnson & Johnson (J&J) am größten europäischen Biotech-Konzern Actelion berichtet hatte. In London legten AstraZeneca, GlaxoSmithKline und Shire je rund ein Prozent zu. Die Aktien von Actelion schossen an der Schweizer Börse um 13 Prozent nach oben.

Monte dei Paschi verloren 5,6 Prozent, nachdem Anleger am Mittwoch grünes Licht für eine fünf Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung gegeben haben. “Es herrscht eine große Unsicherheit darüber, ob sich ausreichend Investoren an der Kapitalerhöhung beteiligen”, sagte Analyst Luca Comi von ICBPI. Zudem seien Anleger verunsichert wegen des Referendums in Italien über eine Verfassungsänderung.

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