Anleger setzen auf Konjunkturprogramm Trumps – Dax steigt

Viele Anleger hoffen nach dem ersten Schreck auf einen pragmatischeren Politikstil des Milliardärs Trump. “Die Märkte freuen sich auf eine Deregulierung der Banken, auf schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme und die Senkung von Unternehmenssteuern”, sagte Stratege Jochen Stanzl von CMC Markets. An den US-Börsen sei die Trump-Rally schon in vollem Gange. Der Dow Jones hatte am Mittwoch knapp anderthalb Prozent zugelegt und mit 18.589 Punkten knapp unter seinem Rekordhoch geschlossen. Versöhnliche Töne in der Siegesrede des 70-jährigen Republikaners hatten die Nerven der Anleger schnell beruhigt.

SEKTOREN BAU UND RÜSTUNG WEITER IM AUFWIND

Der Branchenindex für Bauunternehmen kletterte um 2,4 Prozent auf den höchsten Stand seit Ende 2007. Sie könnten von Trumps angekündigtem Infrastrukturprogramm am meisten profitieren, sagten Händler. HeidelbergCement bauten ihre Vortagesgewinne aus und gewannen 2,3 Prozent, die Rivalen Buzzi Unicem und CRH gewannen sogar bis zu fünf Prozent.

Auch mit Rüstungswerten deckten sich die Anleger weiter ein. Der europäische Luftfahrt- und Verteidigungsindex mit Werten wie Thales, Leonardo-Finmeccanica und BAE Systems sprang um knapp drei Prozent auf ein Acht-Monatshoch. Trump plant steigende Militärausgaben und will unter anderem die Verbündeten an den Kosten für die Präsenz von US-Truppen zur Kasse bitten.

Die Aussicht auf steigende Wirtschaftsinvestitionen half auch den Banken. Der europäische Bankenindex kletterte um bis zu 4,1 Prozent auf 110,52 Punkte, das war der höchste Stand seit Ende April. Deutsche Bank gewannen knapp fünf Prozent. Anleger spekulieren, dass Trump die Finanzwirtschaft weniger stark regulieren wird als sein demokratischer Vorgänger Barack Obama. “Es ist zwar noch nicht klar, wie schnell und wie stark Trump die Regulierung zurückschrauben wird, aber generell kann man davon ausgehen, dass das Umfeld für Banken nicht mehr schlechter werden wird”, schrieben die Analysten von Barclays.

SIEMENS AUF NEUN-JAHRESHOCH

Auf die Anleger prasselte zudem eine Flut von Firmenbilanzen ein. Die Freude der Anleger über einen Gewinnanstieg bei Siemens trieb die Aktien des Konzerns am Donnerstag auf ein Neun-Jahreshoch. Die Papiere kletterten um bis zu 4,7 Prozent auf 109,40 Euro. Damit lagen sie an der Spitze der Dax-Gewinner und so hoch wie seit September 2000 nicht mehr. “Siemens bleibt auf Expansionskurs”, kommentierten die Analysten der LBBW. Trotz konjunktureller Risiken überwögen die Chancen auf steigende Gewinne des Konzerns. Auch der vorsichtig optimistische Ausblick auf 2017 deute auf ein leichtes Ergebnisplus hin.

Der Gewinnsprung der Deutschen Telekom im vergangenen Quartal überzeugte hingegen nicht. Die Aktien verbilligten sich um zwei Prozent, obwohl der Konzern dank seiner amerikanischen Mobilfunktochter T-Mobile das Nettoergebnis um ein Drittel steigerte. Analyst Cengiz San von der Equinet Bank sieht für die Papiere kurzfristig kein Aufholpotenzial. Unter anderem laufe das Geschäft mit der IT-Tochter T-Systems nach wie vor zu holprig.

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