Anleger erleichtert über Wende in Clintons E-Mail-Affäre

“Entwarnung für Clinton bedeutet Entwarnung für die Börse”, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. “Stärkt diese Nachricht doch die Zuversicht, dass Clinton zur nächsten Präsidentin gewählt wird.” Der US-Bundespolizei FBI zufolge ergeben die neu aufgetauchten E-Mails keine Anhaltspunkte für eine Anklage. Die ehemalige Außenministern war in den vergangenen Monaten wegen Nutzung eines privaten Servers für dienstliche E-Mails immer wieder unter Druck geraten.

Wegen der nun eingestellten Nachforschungen hatte Clintons Konkurrent Donald Trump in der vergangenen Woche in Umfragen aufgeholt. Da der Milliardär wegen seiner Unberechenbarkeit als “Börsenschreck” gilt, gingen die Börsen daraufhin in die Knie. Clinton gilt als Garantin für Kontinuität in der Wirtschaftspolitik.

LBBW-Analyst Wolfgang Albrecht warnte aber vor überzogenem Optimismus. “Prognosen haben zu diesem Zeitpunkt nicht viel mehr Aussagekraft als der sprichwörtliche Münzwurf.” Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research betonte, dass viele US-Bürger die Gelegenheit zur vorzeitigen Stimmabgabe bereits genutzt hätten.

EURO AUF TALFAHRT – MEXIKANISCHER PESO IM AUFWIND

Da bei einem Wahlsieg Clintons die Wahrscheinlichkeit einer US-Zinserhöhung im Dezember aus ihrer Sicht steigt, deckten sich Anleger mit US-Dollar ein. Dies drückte den Euro um einen knappen US-Cent auf 1,1050 Dollar. Auch der mexikanische Peso legte kräftig zu. Die Währung reagiert besonders sensibel auf Stimmungsumschwünge im US-Wahlkampf, weil Trump unter anderem Strafzölle auf mexikanische Waren erheben will. Die US-Währung verbilligte um bis zu 2,4 Prozent auf 18,5657 Peso.

Hoffnungen auf einen Wahlsieg Clintons setzten auch der Talfahrt der Rohstoffe ein vorläufiges Ende. Die richtungsweisende Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 1,5 Prozent auf 46,27 Dollar je Barrel (159 Liter). Kupfer legte 1,7 Prozent und das für die Stahl-Herstellung benötigte Nickel sogar 4,7 Prozent zu. Dies schob die Minenwerte an. Anglo American, Antofagasta, BHP Billiton, Fresnillo, Glencore und Rio Tinto gewannen an der Londoner Börse bis zu vier Prozent.

“Sichere Anlagehäfen” verloren dagegen an Attraktivität: Gold verbilligte sich um 1,4 Prozent auf 1285,08 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Der Bund-Future, der auf der zehnjährigen Bundesanleihe basiert, büßte 35 Ticks auf 162,15 Punkte ein.

STARKE BILANZEN HEBEN STIMMUNG ZUSÄTZLICH

Zur positiven Stimmung am Aktienmarkt trugen ermutigende Zahlen europäischer Konzern bei. Dank eines Zuwachses bei Gewinn und Mitgliederzahlen legten die Aktien des Karriere-Netzwerks bis zu 3,9 Prozent zu. Angehobene Wachstumsprognosen beflügelten Ryanair. Die Aktien des Billigfliegers rückten zeitweise um 6,3 Prozent vor.

Vom Gewinneinbruch der HSBC ließen sich Anleger nicht beirren. Sie konzentrierten sich auf den Anstieg der Kernkapitalquote der britischen Großbank auf 13,9 Prozent. Damit könne sie selbst bei einem erneuten Gewinnrückgang die Dividende im kommenden Jahr stabil halten, schrieben die Analysten des Brokerhauses Bernstein in einem Kommentar. HSBC-Aktien waren mit einem Plus von 4,1 Prozent Spitzenreiter im Londoner Auswahlindex FTSE.

In Amsterdam kletterten PostNL auf ein Fünf-Jahres-Hoch von 5,13 Euro. Zuvor hatte der belgische Konkurrent Bpost seine Offerte für den niederländischen Briefzusteller auf 5,65 Euro je Aktie angehoben. Bpost notierten in Brüssel kaum verändert.

rtr

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