Aktienanleger machen Kasse – Allianz-Aktie an Dax-Spitze

“Die Party wird in New York gefeiert, nicht in Frankfurt”, betonte Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. “Deregulierung, schuldenfinanzierte Infrastrukturinvestitionen, Senkung von Unternehmenssteuern – das ist gut für die Wall Street, hilft aber dem Deutschen Aktienindex erst einmal nicht weiter.” Spekulationen auf ein groß angelegtes Trump’sches Konjunkturprogramm hatten den US-Standardwerteindex Dow Jones am Donnerstag auf ein Rekordhoch von 18.873,66 Punkten gehievt. Der Dax legte im Wochenvergleich zwar gut drei Prozent zu, ist von seiner Bestmarke aber noch knapp 2000 Zähler entfernt.

ALLIANZ UND AUTOBAUER HALTEN DAX IM PLUS – INNOGY FALLEN

Ihn hielten am Freitag die kräftigen Kursgewinne des Index-Schwergewichts Allianz im Plus. Die Aktien des Versicherers stiegen um bis zu 4,5 Prozent auf ein Sechseinhalb-Monats-Hoch von 155,40 Euro. “Operativer und Reingewinn sind eindeutig höher als erwartet”, schrieb DZ Bank-Analyst Thorsten Wenzel in einem Kommentar. Noch positiver sei, dass die Fondstochter Pimco den Mittelabfluss gestoppt habe. Ermutigende Absatzzahlen von Volkswagen und BMW verhalfen den beiden Autobauern von Kursgewinnen von jeweils rund Prozent. Konkurrent Daimler gewann 1,2 Prozent.

Ein Gewinnrückgang drückte Innogy dagegen bis zu acht Prozent ins Minus. “So kurz nach dem Börsengang hatten alle mit einer positiven Überraschung gerechnet”, sagte ein Börsianer. Verschärfend komme die schlechte Branchenstimmung hinzu, da die Versorger unter den Spekulationen auf steigende Zinsen litten. Im Sog ihrer Ökostrom-Tochter verlor RWE 4,7 Prozent und war damit Schlusslicht im Dax. Verkauft wurden auch Werte wie HeidelbergCement oder Siemens, die Börsenlieblinge der vergangenen Tage. Sie büßten bis zu 3,6 Prozent ein.

RALLY BEI METALLEN GEHT WEITER – PESO AUF REKORDTIEF

Am Rohstoffmarkt wetteten Anleger weiter auf einen Schub für die Weltwirtschaft durch neue US-Konjunkturprogramme. Der Kupferpreis stieg um bis zu 7,6 Prozent auf ein Eineinhalb-Jahres-Hoch von 6025,50 Dollar je Tonne. Mit einem Kursplus von insgesamt rund 20 Prozent steuert das für Stromkabel und Wasserrohre verwendete Industriemetall auf den größten Wochengewinn seit 1980 zu. In China schloss der Terminkontrakt auf Eisenerz auf einem Zweieinhalb-Jahres-Hoch von 614,50 Yuan (90 Dollar) je Tonne.

Gleichzeitig nährte die Diskussion um Trumps Wirtschaftspolitik Spekulationen auf eine anziehende Inflation und dadurch steigende Zinsen. Dies trieb die Renditen der zehnjährigen Anleihen aus Deutschland und Frankreich mit 0,345 und 0,794 Prozent auf den höchsten Stand seit fast zehn Monaten. Der Euro verbilligte sich um einen knappen Viertel US-Cent auf 1,076 Dollar.

Die Furcht vor einem Abfluss ausländischen Kapitals und dem Aufbau von Handelsschranken während der Amtszeit Trumps setzten den Schwellenländer-Börsen, die um 2,4 Prozent abrutschten. Der mexikanische Peso fiel erneut auf ein Rekordtief. Er reagiert besonders sensibel auf die Entwicklung im Nachbarland USA, da der designierte US-Präsident unter anderem Strafzölle auf mexikanische Waren gefordert hat.

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