Europas Börsen halten sich nach EZB-Entscheid im Plus

Bei der um 14.30 Uhr MESZ startenden Pressekonferenz mit EZB-Präsident Mario Draghi warten Anleger auf Hinweise wie es mit dem billionenschweren Anleihen-Kaufprogramm weitergehen wird. Die meisten Experten gehen davon aus, dass die Euro-Wächter dieses Mal nichts verändern. Sie erhoffen sich von Draghi aber Hinweise auf mögliche Schritte im Dezember. Spekulationen über den Zeitpunkt einer Drosselung der Geldflut – im Fachjargon Tapering genannt – hatten die Investoren zuletzt immer wieder in Unruhe versetzt. Der Euro pendelte mit 1,0984 Dollar um seinen Vortagesschluss.

Auch die Hoffnung auf Kontinuität in der US-Politik stützte die Aktienkurse. Die meisten Anleger setzten nach dem dritten und letzten TV-Duell zwischen den US-Präsidentschaftsbewerbern Hillary Clinton und Donald Trump auf einen Sieg der Demokratin. “Die Börsen gehen bereits fest von Clinton als nächste US-Präsidentin aus”, sagte Fondsmanager Thomas Altmann von QC-Partners. Die Demokratin halten viele Investoren für berechenbarer, während der Republikaner als Investorenschreck gilt. An der Wall Street zeichnete sich am Nachmittag ein festerer Handelsstart ab.

Allerdings warnten Börsianer vor zu großem Optimismus und erinnerten an die Brexit-Abstimmung im Juni, als die Briten entgegen den Umfragen für einen EU-Austritt ihres Landes gestimmt hatten. In den Umfragen liegt Clinton vorne – doch hatte im Juni kaum jemand auf ein Ja der Briten zum EU-Austritt gesetzt. Umso größer sei daher auch das Risiko für einen Rückschlag im Falle eins Sieges von Trump, sagte CMC-Markets-Analyst Jochen Stanzl. Die Wahl findet am 8. November statt.

FINANZWERTE SETZTEN ERHOLUNGSKURS FORT

Im Dax gingen Lufthansa nach einer Prognoseanhebung auf Höhenflug: Die Papiere legten zeitweise um 10,4 Prozent auf ein Drei-Monats-Hoch von 11,54 Euro zu. Börsianer blieben allerdings skeptisch und warnten, dass sich strukturell nicht viel geändert habe.

Deutsche Bank stiegen um 3,7 Prozent auf ein Fünf-Wochen-Hoch von 13,02 Euro. Laut “Manager Magazin” sind die Staatsfonds von Katar und Abu Dhabi sowie ein chinesischer Investor bereit bei einer Kapitalerhöhung der Bank mitzuziehen. Am Mittwoch hatte die US-Investmentbank Morgan Stanley die Anleger mit einem starken Anleihehandel positiv überrascht. Die Deutsche Bank ist traditionell in diesem Segment stark.

Aktien von E.ON notierten 0,6 Prozent schwächer. Einem Bericht des “Handelsblatt” zufolge droht dem Konzern wegen zahlreicher Sondereffekte 2016 ein Rekordverlust von mehr als sieben Milliarden Euro. Der Konzern selbst wollte auf Anfrage keine Ergebnisprognose abgeben.

Lange Gesichter gab es auch im MDax : Gea steuerten nach einer Gewinnwarnung mit einem Minus von zeitweise 21,7 Prozent auf 37,22 Euro auf den größten Tagesverlust seit 1994 zu. Gea habe erst vor kurzem auf einem Investorentag betont, dass es “nichts Besorgniserregendes” im dritten Quartal gebe, kritisierte Analyst Hans-Joachim Heimbürger von Kepler Cheuvreux. “Das ist ein harter Schlag für die Glaubwürdigkeit.”

rtr

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