DAX: Schmaler Grat zwischen Kauf- und Schwächesignal

Trendkanäle zählen zu den Chartmustern, die auch von weniger versierten Anlegern einfach zu erkennen sind. Nervenstarke Trader können das Kursverhalten nutzen und steigen jeweils an den Grenzen mit einer Gegenposition ein. Die Risiken sind überschaubar, denn Absicherungen können eng eingezogen werden und führen zu einem guten Chance-Risiko-Verhältnis. Zumindest in der Theorie.

In der Praxis sieht die Lage vielfach anders aus. Fehlausbrüche und psychologische Faktoren lassen häufig den Traum von schnellen Gewinnen platzen. Im Ergebnis pendeln die Kurse seitwärts und strapazieren die Nerven der Anleger. Die Lethargie beim DAX in den vergangenen Wochen sowie am Freitag ist dafür ein gutes Beispiel.

Obwohl zeitweise weniger als 100 Punkte für ein Kaufsignal fehlten, hielten sich Anleger zum Wochenschluss mit Neuengagements zurück. Der DAX beendete den Tag unverändert, im Kerzenchart bildete sich ein sogenannter Doji aus. Dieses Kursmuster gilt als potenzielles Umkehrsignal nach einer Aufwärtsbewegung. Auch der kleine Verfall an den Terminmärkten am Freitag sollte in seiner Wirkung nicht unterschätzt werden. Erfahrungsgemäß werden die Karten anschließend oft neu gemischt und ein frischer kurz- bis mittelfristiger Trend entsteht.

Mit dem höchsten Wochenschlussstand seit Mitte August scheint das Kräftegleichgewicht etwas zu Gunsten der Käufer zu kippen. Auch der am Freitag erfolgte Sprung über den Abwärtstrend (blau gestrichelt) deutet in diese Richtung. Dennoch darf sich der Markt nun keine Atempause leisten. Die Börsenampel springt erst auf Grün, wenn die Widerstandszone zwischen 10.650 bis 10.800 deutlich nach oben verlassen wird. Aus statistischer Sicht ist der Weg frei, die Oberseite des Prognose-Korridors verläuft bereits bei 10.850.

Solange der Ausbruch aber noch nicht vorliegt, sollten auch die Risiken auf der Unterseite nicht aus den Augen gelassen werden. Dabei wäre ein Rücksetzer unter 10.650 als erstes Warnsignal für eine erneute Korrektur zu sehen. Im Bereich des Monatsdurchschnitts bei 10.550 bietet sich dem DAX die letzte Gelegenheit, größeren Schaden abzuwehren. Bleibt auch hier die Nachfrage schwach, käme wieder die untere Zielzone bei 10.265 bis 10.350 in Reichweite und das Spiel würde von vorne beginnen.

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