DAX: Jahreshoch mit Schönheitsfehler

Beginnen wir mit den positiven Fakten. Seit wenigen Wochen konzentrieren sich Investoren verstärkt auf Märkte, die noch Nachholpotenzial bieten. Während der (international vergleichbare) DAX Kursindex seit Jahresbeginn noch knapp drei Prozent tiefer steht, liegt der US-Leitindex S&P 500 gut fünf Prozent höher. Zuletzt holte der Deutsche Aktienmarkt den Rückstand bereits etwas auf und überzeugt inzwischen auch mit einem besseren Chartbild.

Dies zeigt sich besonders deutlich im hochaufgelösten Kursbild auf Stundenbasis: Mit dem gestrigen Sprung schraubte der DAX auch sein Jahreshoch nach oben. Die ehemalige Verkaufszone zwischen 10.650 bis 10.800 könnte nun Geschichte sein. Doch noch sollten sich die Optimisten nicht zu sicher sein, am Nachmittag setzten Verkäufe ein und ein Teil der Gewinne wurde wieder abgegeben. Im Ergebnis bildete sich nach dem Doji am Freitag erneut ein “Shooting Star” aus. Wie die Beispiele in den vergangenen Wochen zeigen, sollten Anleger nun vorsichtig sein. Im Durchschnitt büßte der DAX anschließend um rund 2,3 Prozent ein. Gewinnmitnahmen wären nach der Aufwärtsbewegung von gut vier Prozent seit dem letzten Tief von Mitte Oktober auch nicht überraschend.

Aus dem statistischen Blickwinkel betrachtet ist der Index hingegen mit einem Abstand von rund zwei Prozent zur 21-Tage-Linie aber noch nicht überhitzt. Rücksetzer bis an die untere Grenze der Zone bei 10.650 sind unbedenklich, darunter wäre der Monatsmittelwert bei 10.560 als Nachkaufzone zu nennen. Je geringer allerdings die Konsolidierung ausfällt, desto positiver die Einschätzung.

Die negative Aussagekraft des Shooting Star wäre annulliert, sobald der Markt über dem gestrigen Tageshoch von 10.820 schließt. Sollte der DAX bereits heute weiter steigen, liefert die obere Begrenzung des dunkelgrau eingezeichneten Prognose-Korridors, der rund 90 Prozent der Kursbewegungen umfasst, mit gut 10.900 das zu erwartende Potenzial auf der Oberseite. Ein Anstieg darüber hinaus ist eher unwahrscheinlich. Nur in Übertreibungsphasen ist bereits heute mit einem Sprung bis an die runde Schwelle von 11.000 zu rechnen. Im Sinne einer nachhaltigen Jahresendrally wäre aber ein gleichmäßiger Anstieg bei gemäßigten Tempo wünschenswert.

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